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38. Internationaler Kongress der Deutschen Ophthalmochirurgie (DOC)


18.-20.06.2026
Nuremberg

Meeting Abstract

Vorhersagbarkeit langfristiger Fluktuationen des Augeninnendrucks mithilfe eines maschinellen Lernalgorithmus bei Offenwinkelglaukom

Colya N. Englisch - Augenklinik Sulzbach, Sulzbach
André M. Trouvain - Augenklinik Sulzbach, Sulzbach
Philip Wakili - Augenklinik Sulzbach, Sulzbach
H. Burkhard Dick - Univ.-Augenklinik Bochum, Bochum
Kaweh Mansouri - Montchoisi Clinic, Lausanne, Schweiz
Esther M. Hoffmann - Univ.-Augenklinik Mainz, Mainz
Marc J. Mackert - Univ.-Augenklinik LMU, München
Achim Langenbucher - Institut für Experimentelle Ophthalmologie, Homburg
Karl T. Boden - Augenklinik Sulzbach, Sulzbach
Peter Szurman - Augenklinik Sulzbach, Sulzbach

Text

Ziel: Untersuchung der Vorhersagbarkeit langfristiger Fluktuationen des Augeninnendrucks (IOD) bei Patienten mit Offenwinkelglaukom, die mit einem telemetrischen IOD-Sensor implantiert wurden.

Methoden: In einer prospektiven, offenen, einarmigen, multizentrischen klinischen Studie wurden 24 Glaukompatienten eingeschlossen. Das mittlere Alter betrug 65.2 ± 10.2 Jahre. Ein überwachtes maschinelles Lernverfahren (Random Forest Classifier, RFC) wurde eingesetzt, um langfristige IOD-Fluktuationen aus klinischen, demografischen und IOD-bezogenen Parametern zu prognostizieren. Für Beobachtungszeiträume von 273 bzw. 364 Tagen und Schwellenwerte von +2.0, +3.0 und +4.0 mmHg wurden Änderungen des mittleren diurnalen IOD berechnet. Ergebnisse wurden als „1“ (Anstieg = Schwellenwert) oder „0“ (kein Anstieg) klassifiziert, um die Vorhersagbarkeit langfristiger IOD-Fluktuationen zu bestimmen.

Ergebnisse: Von 1.224 RFC-Modellen erfüllten 47 die Einschlusskriterien (Area Under the Receiver Operating Characteristic Curve [AUROC] > 0.8; Sensitivität und Spezifität > 0.7). Im Mittel wurden 5.563 ± 116 gültige Messpaare von 9.2 ± 0.8 Patienten pro Modell verwendet. Für jede Schwellenwert-/Zeithorizont-Kombination wurden fünf finale Modelle mit dem höchsten F1-Wert ausgewählt. Die Leistungsparameter umfassten AUROC 0.81–0.86; kreuzvalidierte AUROC 0.78–0.83; Genauigkeit 0.72–0.81; Sensitivität 0.72–0.78; Spezifität 0.70–0.82; Präzision 0.32–0.44; F1-Wert 0.44–0.56. Als prädiktive Merkmale identifizierte der RFC kurzfristige IOD-Fluktuationen über 7, 14 und 28 Tage, den mittleren diurnalen IOD, die okulare Pulsamplitude (OPA), Alter, Body-Mass-Index und zentrale Hornhautdicke, wobei der mittlere diurnale IOD den größten Beitrag leistete (38–55%).

Schlussfolgerungen: Langfristige IOD-Fluktuationen lassen sich aus klinischen und demografischen Basisdaten sowie IOD-bezogenen Parametern, insbesondere mittlerem diurnalem IOD, OPA und kurzfristigen Fluktuationen, vorhersagen. Die Hauptlimitation liegt in der geringen Stichprobengröße; eine Validierung in größeren Kohorten ist erforderlich. Bei Bestätigung könnte dieser Ansatz das Glaukommanagement relevant verbessern. Die Kombination aus telemetrischer IOD-Überwachung und prädiktiver Modellierung bietet das Potenzial, zeitaufwendige Kontrolluntersuchungen zu reduzieren, Gesundheitskosten zu senken und eine individualisierte Versorgung bei steigender Patientenzahl zu unterstützen.