German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Emotionale, kognitive und Biomarker-Veränderungen durch Kopftraumata bei deutschen American Footballspielerinnen – eine prospektive Kohortenstudie
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Zielsetzung und Fragestellung: Die chronische traumatische Enzephalopathie (CTE) ist eine gefürchtete Konsequenz von repetitiven Schädel-Hirn-Traumata (SHT). Studien haben bereits gezeigt, dass weibliche Kontaktsportlerinnen ein höheres Risiko für SHT haben als männliche Kontaktsportler. In dieser Studie untersuchten wir Veränderungen des kognitiven und emotionalen Status, der Biomarker und der Bildgebung in einer Kohorte von deutschen, semi-professionellen American Football Spielerinnen (AFS) und verglichen diese mit einer altersangepassten Kontrollgruppe ohne Kontaktsport-Hintergrund.
Material und Methoden: 20 AFS wurden vor (T0) und nach einer Saison (T1) evaluiert. Parallel wurden 20 Kontrollprobandinnen (KP) bei T0 untersucht. Die Untersuchungen bestanden aus einer neuropsychologischen Testbatterie (Rey-Osterrieth-Complex-Figure Test, Trail Making Test (TMT), Digit Span, Regensburger Wortflüssigkeitstest (RWT), Syndrom-Kurz-Test, Farbe-Wort-Interferenztest, Visueller Lern- und Merkfähigkeitstest (VLMT)), sowie Fragebögen zur gesundheitsbezogenen Lebensqualität, Depression und Apathie (EQ5D, Beck-Depressions-Inventar (BDI), Apathy Evaluation Scale (AES)). Außerdem wurden eine cMRT-Bildgebung (3-/7-Tesla) und Laboruntersuchungen (phospho(p)-Tau217, p-Tau231, Brain-derived (BD)-Tau, GFAP, NF-L, t-Tau, Aβ40, Aβ42 und S100-B) durchgeführt.
Ergebnisse: Die neurokognitive Testbatterie zeigte im VLMT eine signifikant schlechtere Leistung der AFS bei T0 bezogen auf die Lerneffizienz, die verzögerte Erinnerung, sowie die Erinnerung nach Zeitverzögerung. Bei T1 erreichten AFS ein besseres Ergebnis im TMT Subtest A (65 ± 21.89 vs. 80 ± 12.55, p = .011) und ein schlechteres Ergebnis im phonetischen Teil des RWT (61.47 ± 27.15 vs. 48.05 ± 33.98, p = .003) im Vergleich zu T0. Der AES zeigte ein signifikant höheres Ergebnis für AFS bei T0 (33.45 ± 4.98 vs. 27.15 ± 4.80, p < 0.001). Im BDI gaben vier AFS an, dass sie Suizidgedanken hätten, dies jedoch nie durchführen würden (Chi2 = 0.035) (KP n=0). Bezüglich der Biomarker zeigte sich bei AFS sowohl bei T0 als auch bei T1 eine Erhöhung der Titer von p-Tau271 sowie BD-Tau im Vergleich zu den KP. Bei der MRT-Bildgebung konnte kein signifikanter Unterschied nachgewiesen werden.
Diskussion und Schlussfolgerung: Bei AFS konnten wir eine schlechtere Lerneffizienz und eine verzögerte Erinnerung, sowie eine Verschlechterung der Erinnerung nach Zeitverzögerung im VLMT nachweisen. Zusätzlich zeigte sich eine Verbesserung der Aufmerksamkeit und eine Verschlechterung der exekutiven Funktionen über den Verlauf einer Saison. AFS zeigten signifikant höhere Apathielevel verglichen mit KP bei T0. AFS hatten häufiger Suizidgedanken. Zusätzlich zeigt sich ein erhöhtes Level an pTau271 und BD-Tau. Unsere Studie fügt emotionale und kognitive Veränderungen, sowie erhöhte Biomarkerlevel bei AFS im Vergleich zu gesunden KP zum aktuellen Wissensstand über SHT hinzu.



