Logo

German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Die Verwendung eines kinematisch ausgerichteten Medial Pivot Designs bei valgischen Kniegelenken führt zu Kinematik nahe dem nativen Gelenk

Christoph Thorwächter - LMU Klinikum München, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Tara Siedow - LMU Klinikum München, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Josef Wieser - LMU Klinikum München, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Johanna-Maria Simon - LMU Klinikum München, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Peter E. Müller - LMU Klinikum München, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland
Thomas Niethammer - LMU Klinikum München, Muskuloskelettales Universitätszentrum München (MUM), München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Bei der Knie-Totalendoprothetik (K-TEP) bleibt die Frage nach der optimalen postoperativen Funktion in Abhängigkeit von der präoperativen Deformität ein zentraler Diskussionspunkt (Niki et al., 2024). Insbesondere der Vergleich zwischen varischen und valgischen Gelenken zeigt in der Literatur oft heterogene Ergebnisse. Gerade die Korrektur der Valgus-Deformation stellt hierbei aufgrund der komplexen Weichteil-/Bandsituation eine deutliche Herausforderung dar (Krackow et al., 1991; Ranawat et al., 2005). In diesem Kontext hat sich die Debatte der optimalen Ausrichtung – mechanisches Alignment (MA) versus kinematisches Alignment (KA) – verschärft. Hierbei stellt sich die Frage: Profitiert das valgische Kniegelenk von der kinematischen Versorgung, oder bleibt die mechanische Achsausrichtung der sicherere Goldstandard zur Vermeidung von Instabilitäten?

Material und Methoden: Im Rahmen der vorliegenden Studie wurde die Kinematik von neun humanen Kniegelenkspräparaten (Ø-alter: 81,1 Jahre; Valgus-Deformität≥ 2°) untersucht. Die Testung erfolgte am Kniegelenkskinemator während einer aktiven, muskelgesteuerten Kniebeuge (Flexionsbereich 30–130°) unter konstanter Bodenreaktionskraft von 50 N. Nach der Erfassung des nativen Zustands wurde eine Knie-Totalendoprothese im Medial Pivot Design (Modell: GMK Sphere, Medacta International, Castel San Pietro, Schweiz) implantiert – zunächst unter Verwendung einer kinematischen und anschließend einer mechanischen Ausrichtung. Die kinematischen Daten wurden mittels eines optischen 3D-Messsystems (ARAMIS 2.3M, Carl Zeiss AG, Oberkochen, Deutschland) aufgezeichnet.

Ergebnisse: Abbildung 1 [Abb. 1] zeigt, dass das kinematische Alignment im Bezug auf die relative Varus-/Valgus-Bewegung und Innen-/Außenrotation keine signifikanten Unterschiede zu den nativen Testungen aufwies, während das mechanische Alignment im Verlauf der Kniebeuge signifikante Unterschiede zeigte. In der anteroposterioren Translation zeigten beide Alignments signifikante Unterschiede zur nativen Kinematik. Untereinander unterschieden sich die beiden Alignments während des gesamten Flexionszyklus kaum signifikant.

Abbildung 1

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Studie zeigt, dass das kinematische Alignment die native Rotationsbwegung eines valgischen Kniegelenks besser nachempfinden kann, als das mechanische Alignment. Die Ergebnisse unterstützen das in der Literatur bessere klinische Outcome bei Verwendung von Medial Pivot Designs mit kinematischer Ausrichtung. Aus kinematischer Sicht ist aufgrund dessen die Versorgung von valgischen Kniegelenken mit einem kinematischen Alignment zu bevorzugen.