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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Einfluss der supramalleolären Tibiaosteotomie, der Calcaneusosteotomie und der Kombination auf die Druckumverteilung im oberen Sprunggelenk – eine biomechanische Studie

Ann-Sophie Clara Weigel - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster, Deutschland
Moritz Martinovic - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster, Deutschland
Klemens Horst - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster, Deutschland
Sabine Ochman - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster, Deutschland
Alexander Milstrey - Klinik für Unfall-, Hand- und Wiederherstellungschirurgie, Münster, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Supramalleoläre Tibiaosteotomien, auch in Kombination mit Calcaneusosteomien, werden zunehmend in der differenzierten Therapie der Sprunggelenkarthrose alsgelenkerhaltende Option eingesetzt. Ziel dieser Studie war der biomechanische Vergleich der isolierten supramalleolären Tibiaosteotomie (SMOT), der isolierten Calcaneusosteotomie (CO) sowie der kombinierten SMOT + CO hinsichtlich der maximalen talaren Kräfte in medialen und lateralen Talusregionen.

Material und Methoden: In dieser biomechanischen Studie wurden zehn humane Unterschenkelpräparate untersucht. Ausgangspunkt war die Neutralstellung des oberen Sprunggelenks. Anschließend wurden definierte Varus- und Valgusfehlstellungen simuliert und deren Einfluss auf die intraartikuläre Druckverteilung analysiert. Die axiale Belastung erfolgte in einer materialprüftechnischen Prüfmaschine (Instron®) mit konstanter Last von 200 N (Abbildung 1 [Abb. 1]). Nach supramalleolärer Tibiaosteotomie wurden Varus- und Valguskorrekturen von 10° realisiert und mittels Fixateur externe stabilisiert. Ergänzend erfolgte eine medialisierende bzw. lateralisierende Calcaneusosteotomie mit 10 mm Translation. Die intraartikulären Kontaktkräfte wurden mittels drucksensitiver Messfolie (TekScan®) erfasst und relativ zur Neutralstellung berechnet. Die Talusfläche wurde in mediale und laterale Regionen unterteilt. Die statistische Auswertung erfolgte in RStudio.

Abbildung 1: Versuchsaufbau der biomechanischen Messung

Ergebnisse: Die Analyse der Δ-Maximalkontaktkräfte (definiert als Differenz zwischen Nativzustand und jeweiligem Korrekturzustand) zeigte, dass sowohl isolierte als auch kombinierte Osteotomien mit Veränderungen der maximalen talaren Kontaktkräfte assoziiert waren. Die beobachteten Effekte zeigten eine korrekturabhängige Tendenz, jedoch mit interindividueller Streuung. Im direkten Vergleich zwischen isolierter SMOT und kombinierter SMOT + CO ergab sich kein konsistentes Muster einer zusätzlichen Reduktion der maximalen Kontaktkräfte durch die Kombination. Vielmehr zeigten sich regions- und richtungsabhängige Unterschiede. In einzelnen Vergleichssituationen unterschieden sich die Δ-Max-Werte zwischen isolierter SMOT und kombinierter Korrektur moderat, während in anderen Konstellationen nur geringe Unterschiede beobachtet wurden. Die Effektstärken reichten von kleinen (Cohen’s d ~0.1–0.3) bis zu moderaten bzw. größeren Effekten (bis ~0.8), ohne ein durchgehend konsistentes Richtungsmuster über alle Talusregionen hinweg (Tabelle 1 [Tab. 1]).

Tabelle 1: Effektstärken (Cohen’s d) der Δ-Maximalkontaktkräfte im Vergleich SMOT vs. SMOT + CO

Diskussion und Schlussfolgerung: Die supramalleoläre Tibiaosteotomie bewirkt eine biomechanische Lastumverteilung im oberen Sprunggelenk und zeigt größere Entlastungseffekte als die isolierte Calcaneusosteotomie. Eine zusätzliche Rückfußosteotomie führt biomechanisch nicht konsistent zu einer weiteren Verbesserung. Die isolierte SMOT erscheint als zentrale gelenkerhaltende Korrekturmaßnahme, während kombinierte Eingriffe selektiv bei komplexen Deformitäten sinnvoll sein können.