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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Der Popliteus hat keinen Einfluss auf die Kniegelenkskinematik nach Knie-TEP-Versorgung

Tara Siedow - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Johanna-Maria Simon - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Christoph Thorwächter - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Peter E. Müller - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland
Matthias Woiczinski - Waldkliniken, Eisenberg, Deutschland
Thomas Niethammer - Muskuloskelettales Universitätszentrum, LMU Klinikum, München, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Das Weichteilbalancing bzw. der Bandrelease erfolgen im Rahmen der Knie-TEP-Implantation primär durch Adressierung des Innen- und Außenbandes sowie der Kapsel. Die Popliteussehne gilt als ein weiterer relevanter Kniegelenksstabilisator des posterolateralen Gelenkbereiches. Da die Popliteussehne aufgrund ihrer intraartikulären Lage nach Knie-TEP-Implantation jedoch zu einem Impingement führen und eine Durchtrennung den Beugespalt erweitern kann, wird diese nicht selten reseziert. Welchen Einflussfaktor die Popliteussehne auf die Kniegelenksstabilität nach Knie-TEP-Implantation hat, ist allerdings bisher nicht untersucht.

Material und Methoden: Am Kniegelenkskinemator wurden 17 humane (fresh frozen) Kniegelenkspräparate während einer aktiven muskelgesteuerten Kniebeuge im Rahmen einer Flexion von 35 – 130° getestet. Es wurde eine Knie-TEP (GMK Sphere/Medial Pivot, Medacta International, Castel San Pietro, Schweiz) in mechanischer Ausrichtungstechnik ohne Retropatellarersatz implantiert. Anschließend wurde die tibiofemorale Kinematik mittels eines optischen Messsystems (ARAMIS 3D Kamera 2.3M, GOM GmbH, Braunschweig, Deutschland) untersucht. Nach darauffolgender Durchtrennung der Popliteussehne, unter Belassen desselben K-TEP-Implantates, erfolgte eine erneute Untersuchung im Kniegelenkskinemator zur Beurteilung der tibiofemoralen Kinematik.

Ergebnisse: Es wurden die anterior-posteriore Translation des Femurs, die tibiale Innen-/Außenrotation und die tibiale Varus-Valgus-Rotation vor und nach Durchtrennung der Popliteussehne erfasst. Es zeigte sich hierbei über den gesamten Bewegungszyklus kein signifikanter Unterschied in der tibiofemoralen Kinematik vor und nach Durchtrennung der Popliteussehne. In Bezug auf die anterior-posteriore Translation bewegte sich das Femur in beiden Fällen ab einem Flexionswinkel von 100° um etwa 5 mm nach posterior. Die tibiale Achsverschiebung/-rotation zeigte in beiden Versuchsbedingungen eine annähernd kontinuierliche varische Rotation mit einem Gesamtumfang von etwa 10°. Hinsichtlich der Rotationsbewegung der Tibia ergab sich zwischen 35° und 80° Flexion eine Innenrotation von insgesamt 9°, gefolgt von einer Außenrotation von etwa 2° im Bereich von 80° bis 135°.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die Durchtrennung der Popliteussehne zeigte unter den gewählten Versuchsbedingungen keinen relevanten Einfluss auf die tibiofemorale Kinematik nach Knie-TEP-Implantation während der Simulation einer aktiven, muskelgesteuerten Kniebeuge. Es scheint unter Verwendung eines Medial Pivot Designs insbesondere in Flexion eine weiterhin ausreichende Stabilität vorhanden zu sein. Da hierbei allerdings lediglich die Popliteussehne als passiver Stabilisator untersucht werden kann, wären weiterführende Untersuchungen hilfreich, welche in der Lage sind den M. Popliteus als Muskel aktiv zu simulieren, sofern möglich.