German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Opportunistisches Osteoporose-Screening anhand von Hounsfield Units im Wirbelsäulen-CT und Korrelation mit dem Frakturrisiko gemäß DVO-Leitlinie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Osteoporose führt zu einem erhöhten Frakturrisiko, wobei die Wirbelsäule eine der häufigsten Lokalisationen darstellt. Vorherige Studien zeigten eine Korrelation zwischen den Hounsfield Units (HU) der Lendenwirbelsäule (LWS) und dem T-Score. Gemäß aktueller DVO-Leitlinie wird Therapieindikation anhand des 3-Jahres-Risikos für Schenkelhals- und Wirbelkörperfrakturen gestellt. In dieser Studie soll der Zusammenhang zwischen HU der Wirbelkörper und dem Frakturrisiko gemäß DVO-Leitlinie untersucht und ein HU-Cut-off für ein opportunistisches Osteoporose-Screening im Wirbelsäulen-CT bestimmt werden.
Material und Methoden: In dieser monozentrischen retrospektiven Analyse wurden Patient*innen ≥50 Jahre mit Wirbelkörperfrakturen von 2021-2022 eingeschlossen. Das 3-Jahres-Frakturrisiko wurde mit einem Fragebogen gemäß DVO-Leitlinie bestimmt und in vier Risikogruppen eingeteilt (<3%, 3–<5%, 5–<10%, ≥10%). HU-Werte wurden in vorhandenen CT-Datensätzen an allen intakten Wirbelkörpern in jeweils drei axialen Schichten gemessen und der Mittelwert pro Region bestimmt. Der Zusammenhang zwischen HU und Frakturrisiko wurde mittels Spearman-Korrelation und ordinaler logistischer Regression untersucht. Der Cut-off zur Unterscheidung eines Frakturrisikos <5% bzw. ≥5% (Indikationsschwelle zur spezifischen Therapie) wurde mittels ROC-Analyse bestimmt.
Ergebnisse: Es wurden 70 Patient*innen eingeschlossen (w: 28, m: 42; Alter: 70,90±12 Jahre). Es lagen 17 HWS-, 29 BWS- und 30 LWS-Frakturen vor. Das berechnete 3-Jahres-Frakturrisiko betrug <3% in 26, 3–<5% in 12, 5–<10% in 10 und ≥10% in 22 Fällen. Die HU-Werte der Wirbelsäulenregionen unterschieden sich signifikant (HWS: 255,6 ±88,3 HU; BWS: 155,8 ±53,0 HU; LWS: 122,5 ±49,9 HU; p < 0,0001). Zwischen HU und Alter bestand eine ausgeprägte negative Korrelation an der HWS (ρ = –0,72) und LWS (ρ = –0,66) und eine moderate negative Korrelation an der BWS (ρ = –0,35) (p<0,0001). An der LWS zeigte sich ein signifikanter negativer Zusammenhang zwischen HU und Frakturrisiko (ρ = –0,66, p<0,0001). Die ROC-Analyse ergab eine AUC von 0,86 und einen Cut-off von 106,8HU (Tabelle 1 [Tab. 1]). Für die BWS zeigte sich ebenfalls ein signifikanter, jedoch schwächerer Zusammenhang zwischen HU und Frakturrisiko (ρ = −0,30; p = 0,018). An der HWS bestand kein signifikanter Zusammenhang zwischen HU und Frakturrisiko.
Tabelle 1: ROC-Analyse zur Unterscheidung eines Frakturrisikos <5% vs. =5%
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Ergebnisse weisen darauf hin, dass die HU-Werte der BWS und LWS mit dem Frakturrisiko gemäß DVO-Leitlinie korrelieren. HU-Messungen im CT könnten ein opportunistisches Osteoporose-Screening ermöglichen und somit zur Verbesserung der Osteoporose-Diagnostik beitragen. Da sich die vorliegende Studie auf ein Kollektiv mit Wirbelkörperfrakturen beschränkt, sind weitere Studien erforderlich, um die Generalisierbarkeit der Ergebnisse zu prüfen.



