German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Spezifische Osteoporosetherapie im hohen Alter: Real-Life-Effekte auf Knochendichte, körperliche Fitness und Rückenschmerz
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Hochbetagte Osteoporose-PatientInnen sind durch Fragilitätsfrakturen, chronische Rückenschmerzen und funktionellem Abbau besonders gefährdet. Stürze und eingeschränkte Mobilität bestimmen dabei die Morbidität, Selbstständigkeit und Mortalität maßgeblich. Während die spezifische medikamentöse Osteoporose Therapie (SMOT) in Studien primär knöcherne Endpunkte verbessert ist deren Effekt auf alltagsrelevante funktionelle muskuläre Parameter und Rückenschmerzen unklar. Ziel dieser Real-Life-Analyse war die longitudinale Untersuchung von Knochendichte, funktioneller muskulärer Leistungsfähigkeit und Rückenschmerz unter einer leitliniengerechten SMOT.
Material und Methoden: Retrospektive longitudinale Real-Life-Analyse einer osteologischen Spezialambulanz: 178 PatientInnen mit gesicherter Osteoporose (T-Score ≤ −2,5 SD); medianes Alter 82 Jahre (Range 41–100), 80,9% weiblich; mediane Nachbeobachtungszeit 4 Jahre (Range 1–24). 73,0% wiesen mindestens eine Major Osteoporotic Fracture auf. Analysiert wurden Serumkalzium (Ca), 25-Hydroxy-Vitamin-D (25(OH)D), DXA-T-Score, dominante Handkraft, Chair-Rise-Test (CRT) und Tandemstand (TS) zu Beginn (T0) und am Ende des Beobachtungszeitraumes (T3). Explorativ wurden zusätzlich die schmerzfreie Geh- und Stehzeit (Minuten) und Rückenschmerz (Numerical Rating Scale, NRS) erfasst. Zeitabhängige Veränderungen wurden mittels linear gemischter Modelle (fester Effekt: Zeit; zufälliger Interzept pro PatientIn) analysiert. Therapiegruppen (antiresorptiv vs. osteoanabol) wurden mittels Likelihood-Ratio-Tests verglichen.
Ergebnisse: 25(OH)D stieg signifikant an (β = +19,87 nmol/l; p < 0,001), die Vitamin-D-Defizitrate sank von 21,3% auf 2,2%. Ca nahm geringfügig, aber signifikant ab (β = −0,047 mmol/l; p = 0,0005), Hypokalzämien blieben selten (T3: 1,7%). Die Knochendichte verbesserte sich signifikant (β = +0,445 T-Score-SD; p < 0,001; Median −3,5 auf −3,10 SD), ohne Unterschiede zwischen Therapiegruppen (p = 0,501). Funktionell verbesserten sich CRT (β = −0,98 s; p = 0,004) und TS (β = +0,84 s; p = 0,007). Die Handkraft nahm hingegen signifikant ab (β = −1,95 kg; p < 0,001). Explorativ verbesserten sich schmerzfreie Geh- (β = +37,55 min; p = 0,031) und Stehzeit (β = +31,2 min; p = 0,038) und Rückenschmerz (β = −1,46 NRS; p = 0,001). Zwischen den Therapiegruppen zeigten sich keine signifikanten Unterschiede der Schmerzverläufe.
Diskussion und Schlussfolgerung: Knochendichte, Aufsteh- und Balanceparameter, sowie klinisch bedeutsame Rückenschmerzen verbessern sich signifikant unter einer SMOT. Die gleichzeitige Abnahme der Handkraft zeigt, dass die Handkraftmessung die muskuläre Funktionalität bei älteren multimorbiden Osteoporose-PatientInnen unterschätzt. Die Nutzung des CRT in Kombination mit dem TS sollte bevorzugt gegenüber der alleinigen Handkraftmessung verwendet werden. Klinisch sollte eine SMOT konsequent mit einem Sarkopenie-Screening und gezieltem Kraft- und Balancetraining kombiniert werden, um Mobilität, Standfestigkeit und Frakturprävention im hohen Alter zu optimieren.



