German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss von Sprunggelenk-Tapes auf die Gangkinematik
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Tapeverbände sind in Prävention und Rehabilitation von Sprunggelenksverletzungen fest etabliert. Während starre Tapeverbände eine mechanische Stabilisierung bewirken sollen, wird Kinesiotape vor allem zur Beeinflussung von Muskeltonus und Propriozeption eingesetzt. Veränderungen der Sprunggelenkskinematik können jedoch Auswirkungen auf benachbarte Gelenke haben und potenziell das Verletzungsrisiko, insbesondere am Kniegelenk, beeinflussen. Ziel dieser Studie war es, die Effekte von Kinesiotape und starrem Sporttape auf die Gangkinematik der unteren Extremität bei gesunden Probanden zu untersuchen.
Material und Methoden: In einer prospektiven experimentellen Studie wurden 18 gesunde Erwachsene (9 weiblich, 9 männlich; 22,6 ± 2,6 Jahre) eingeschlossen. Probanden mit vorbestehender Sprunggelenksinstabilität (CAIT < 25) oder Verletzungen der unteren Extremität in den letzten sechs Monaten wurden ausgeschlossen. Die Ganganalyse erfolgte mittels LUKOtronic GaitLab auf dem Laufband (4,5–4,6 km/h) unter drei Bedingungen: barfuß (Referenz), mit Kinesiotape und mit starrem Sporttape (jeweils am rechten Sprunggelenk). Erfasst wurde der Bewegungsumfang (Range of Motion, ROM) von Sprunggelenk, Knie, Hüfte und Becken. Die statistische Auswertung erfolgte mittels Friedman-Test mit post-hoc-Korrektur nach Benjamini-Hochberg (α = 0,05).
Ergebnisse: Das starre Sporttape führte zu einer signifikanten Reduktion des ROM im oberen Sprunggelenk sowohl in Flexion/Extension (−6,2° ± 2,7° vs. barfuß; p < 0,0001) als auch in Inversion/Eversion (−3,7° ± 1,8°; p < 0,0001). Kinesiotape zeigte keine signifikanten Veränderungen des ROM am Sprunggelenk im Vergleich zur Referenzmessung. Am Kniegelenk ergaben sich unter beiden Tapeanlagen keine signifikanten Unterschiede. Für die Hüftgelenkskinematik zeigte sich ebenfalls kein signifikanter Einfluss. Im Becken wurde unter Kinesiotape eine geringe, aber signifikante Zunahme der Elevations-/Depressionsbewegung beobachtet (p = 0,043).
Diskussion und Schlussfolgerung: Starres Sporttape bewirkt eine signifikante Einschränkung des Bewegungsumfangs im oberen Sprunggelenk und führt zu einer passiven mechanischen Stabilisierung. Kinesiotape zeigte hingegen keinen relevanten Einfluss auf die Sprunggelenkskinematik gesunder Probanden während des Gehens. Für die klinische Praxis bedeutet dies, dass Kinesiotape nicht zur primären mechanischen Stabilisierung nach Supinationstrauma geeignet ist, während starres Tape eine effektive Option zur funktionellen Stabilisierung darstellen kann.



