German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Wirbelsäulenverletzungen bei Kindern – was unterscheidet sie von Erwachsenen? Eine Analyse aus dem TraumaRegister DGU®
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Zielsetzung und Fragestellung: Wirbelsäulenverletzungen im Kindesalter stellen eine besondere Herausforderung in der Versorgung schwerverletzter Patienten dar. Anatomische Besonderheiten, altersabhängige Verletzungsmuster und die erhöhte Strahlenempfindlichkeit erschweren die Anwendung etablierter Konzepte für Erwachsene im Schockraum. Das Ziel dieser Arbeit bestand darin, altersabhängige Unterschiede in Verletzungsmustern, Diagnostik, Therapie und Outcomes pädiatrischer Wirbelsäulenverletzungen zu identifizieren und daraus praxisrelevante Konsequenzen für die Behandlung der Wirbelsäule abzuleiten.
Material und Methoden: Auf Grundlage des TraumaRegister DGU® wurden alle Kinder und Jugendlichen im Alter von 1 bis 17 Jahren mit relevanten Wirbelsäulenverletzungen (AIS ≥ 2) nach stumpfem Trauma im Zeitraum von 2012 bis 2023 retrospektiv untersucht. Es wurden die Unfallmechanismen, die Lokalisation der Wirbelsäulenverletzungen, die eingesetzte Bildgebung, die operative Versorgung sowie die Mortalität analysiert. Zusätzlich erfolgte mittels multivariater logistischer Regression die Identifikation unabhängiger Risikofaktoren für relevante Wirbelsäulenverletzungen.
Ergebnisse: Von insgesamt 17.018 pädiatrischen Traumapatienten erlitten 2.989 (17,6%) eine signifikante Wirbelsäulenverletzung. Bei Kindern unter fünf Jahren dominierten Verletzungen der Halswirbelsäule, während mit zunehmendem Alter thorakale und lumbale Verletzungen vorherrschten. Hochenergische Mechanismen und Stürze aus großer Höhe stellten die häufigsten Ursachen dar. Bereits im Vorschulalter wurde in fast zwei Dritteln der Fälle eine Ganzkörpercomputertomographie durchgeführt. Der Bedarf an operativer Behandlung nahm mit zunehmendem Alter deutlich zu und lag insgesamt bei 18,9%. Die Krankenhausletalität betrug 6,2% und war insbesondere bei jüngeren Kindern mit begleitenden Kopf- und Thoraxverletzungen erhöht. Hochenergie-Trauma und thorakale Begleitverletzungen erwiesen sich als starke Prädiktoren für relevante Wirbelsäulenverletzungen.
Diskussion und Schlussfolgerung: Pädiatrische Wirbelsäulenverletzungen unterscheiden sich wesentlich von denen bei Erwachsenen und erfordern altersangepasste diagnostische und therapeutische Strategien. Die hohe CT-Nutzung im Kindesalter verdeutlicht den Bedarf an klaren, strahlensparenden Entscheidungsalgorithmen im Schockraum. Die Ergebnisse bilden eine belastbare Grundlage für eine differenzierte, kindgerechte Wirbelsäulenversorgung im Rahmen der Schwerverletztenbehandlung.



