German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Prävalenz struktureller Schäden der Rotatorenmanschette durch ein Schultertrauma – eine prospektive Multicenterstudie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Bei Rotatorenmanschetten-Läsionen (RML) ist eine Abgrenzung einer akut-traumatischen RML im Einzelfall teilweise schwierig. Ziel des Forschungsvorhabens war die Früherkennung struktureller Schäden an der Schulter insbesondere der RML nach einem Unfall zu verbessern um damit Rückschlüsse auf die Genese von RML ziehen zu können.
Material und Methoden: Sämtliche Patienten zwischen 18 und 65 Jahren, die sich in der Notaufnahme nach einem akuten Unfallereignis der Schulter vorstellten wurden direkt (Zeitpunkt 1, Z1) klinisch untersucht und innerhalb einer Woche einer MRT-Diagnostik (3-Tesla) unterzogen. Ausschlußkriterium waren u.a. Frakturen oder Schulterluxationen. Es wurden (u. a.) Fragen nach dem Traumamechanismus der beruflichen Tätigkeit und Schulterbeschwerden vor dem Unfall gestellt und scores (u.a. Disabilities of the Arm, Shoulder and Hand (DASH)-Score, Constant & Murley score (CMS), Visuelle Analogskala Schmerz (VAS)) erhoben. Nach 6 Wochen (Zeitpunkt 2, Z2) erhielten die Patienten postalisch einen zweiten Fragebogen, in dem die zwischenzeitliche Behandlung, Dauer einer möglichen Arbeitsunfähigkeit, die klinische Funktion und die Schmerzen im Verlauf (inklusive scores) abgefragt wurden. Neben deskriptiver Analyse erfolgten Gruppenvergleiche mittels ANOVA und die Untersuchung von Einflussfaktoren auf die Entstehung einer RML mittels logistischer Regression.
Ergebnisse: Insgesamt konnten n= 324 Patienten eingeschlossen werden. In 31 Fällen (9,6%) fanden sich transmurale Rotatorenmanschetten-Läsionen (t-RML), in n = 102 Fällen (31,5%) Partialrupturen (p-RML) und in n = 191 (59%) keine RML. Bei der Läsion der Supraspinatussehne zeigte sich das Alter als der wichtigste Prädiktor für eine RML (Ø 55 Jahre t-RML vs. Ø 43 Jahre mit p-RML, Ø 34 Jahre ohne RML, p<0.001). Die Bewegungsausmaße zeigten sich bei Nachweis einer t-RML signifikant schlechter, zudem war der Drop-arm-test bei t-RML als einziger RM-Test signifikant positiv zum Zeitpunkt 1. Im Vergleich der klinischen scores zwischen den beiden Untersuchungszeitpunkten fand sich zwischen den drei Gruppen (keine RML, p-RML, t-RML) ein signifikanter Unterschied zwischen Z1 und Z2 im Sinne einer geringeren Verbesserung von DASH und CSM bei p-RML und t-RML gegenüber der Gruppe ohne RML. Innerhalb des logistischen Modells zeigte sich, dass das Alter und eine in der Vergangenheit bereits geschädigte Schulter die wichtigsten Prädiktoren für das Auftreten einer t-RML der Supraspinatussehne waren (OR = 1,13; p < 0.001 bzw. OR = 3,6; p =0.021). Zwischen den verschieden Unfallmechanismen zeigte sich kein signifikanter Unterschied hinsichtlich der Häufigkeit von RML.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Daten zeigen, dass Alter und Vorschädigung signifikant mit t-RML und p-RML in Zusammenhang stehen. Der Traumamechanismus allein hat keinen signifikanten Einfluss auf eine Läsion der RM. Die Ergebnisse unterstützen die These degenerativer Einflüsse auf die Ruptur von Supraspinatussehnen bei akut-traumatischen Ereignissen.



