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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Das Schädel-Hirn-Trauma-Modul im TraumaRegister DGU®: Update aus der Livephase seit 2021 und Perspektiven der Weiterentwicklung

Cora Schindler - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Klinikum der Goethe Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Alexander Younsi - Department of Neurosurgery, BGU Ludwigshafen, Deutschland, Medical Faculty, Heidelberg University, Heidelberg, Germany, Ludwigshafen, Deutschland
Jason-Alexander Hörauf - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Klinikum der Goethe Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland
Ingo Marzi - Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädie, Klinikum der Goethe Universität Frankfurt am Main, Frankfurt am Main, Deutschland

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Das Schädel-Hirn-Trauma-(SHT)-Modul wurde 2019 als Erweiterung des TraumaRegister DGU® eingeführt, um SHT-Patienten bundesweit standardisiert zu erfassen. Nach einer Pilotphase ist das Modul seit 2021 produktiv und wird fortlaufend weiterentwickelt.

Material und Methoden: Im Modul werden prospektiv strukturierte klinische, neurochirurgische und neurointensivmedizinische Daten von SHT-Patienten erhoben, einschließlich Verletzungsmechanismen, klinischer Manifestation, Bildgebung, Therapie und funktionellem Outcome. Die Daten wurden deskriptiv ausgewertet und mit internationalen Registerdaten (CENTER-TBI Europa und China) verglichen. Gleichzeitig wurden relevante Herausforderungen identifiziert, insbesondere hinsichtlich Dokumentationsaufwand, Heterogenität der Datenerhebung und begrenzter Follow-up-Daten.

Ergebnisse: Seit November 2021 wurden 1.421 Patienten aus 18 deutschen Traumazentren eingeschlossen. Zusammen mit der Pilotphase umfasst die Datenbank 827 auswertbare Fälle (2019–2024). Im Vergleich zur Pilotphase zeigte sich ein signifikanter Altersanstieg sowie eine Zunahme schwerer Komorbiditäten (ASA III–IV). Stürze aus geringer Höhe waren der häufigste Verletzungsmechanismus (57,5%), gefolgt von Verkehrsunfällen (35,4%). Ein schweres SHT (GCS ≤8) lag bei 41,4% der Patienten vor. In der kranialen CT fanden sich bei 93,8% intrakranielle Läsionen, am häufigsten traumatische Subarachnoidal- und Subduralblutungen; bei etwa 50% bestanden Hirndruckzeichen. Eine notfallmäßige neurochirurgische Dekompression war bei 54,2% erforderlich; ein invasives ICP-Monitoring erfolgte bei etwa der Hälfte der Patienten. Die mittlere Beatmungsdauer betrug 5,5 Tage, die Intensivbehandlung 8 Tage. Bei Entlassung erreichten 70% ein günstiges Outcome (GOSE 5–8); auch in den verfügbaren 6- und 12-Monats-Follow-ups lag der Anteil günstiger Verläufe bei über 70%. Im internationalen Vergleich waren deutsche Patienten älter, multimorbider und häufiger schwer betroffen, wiesen jedoch niedrigere Raten invasiven ICP-Monitorings und höhere Raten neurochirurgischer Eingriffe auf. Die Krankenhausmortalität lag höher als in den Vergleichskollektiven. Die neu weiterentwickelte und gestraffte Version des SHT-Moduls reduziert die Anzahl der Variablen deutlich und fokussiert sich auf klinisch und wissenschaftlich besonders relevante Kerndaten.

Diskussion und Schlussfolgerung: Das SHT-Modul des TraumaRegister DGU® liefert belastbare aktuelle Versorgungsdaten zum Schädel-Hirn-Trauma in Deutschland. Die höhere Krankenhausmortalität in Deutschland im internationalen Vergleich dürfte die höhere Alters-, Komorbiditäts- und Verletzungsschwere widerspiegeln. Die Einführung der verkürzten Modulversion mit Fokus auf Kerndaten stellt einen wichtigen Schritt zur Verbesserung der Praktikabilität, Datenvollständigkeit und zukünftigen Vergleichbarkeit dar und sollte vielen Kliniken die Teilnahme zur Qualitätssicherung ermöglichen.