German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
10-Jahres-Ergebnisse einer Vitamin-E-angereicherten Monoblock-Pfanne: Klinische, radiologische und EBRA-basierte Migrationsanalyse einer prospektiven multizentrischen internationalen Studie an 675 Hüften
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Zielsetzung und Fragestellung: Eine der größten Herausforderungen in der Hüftendoprothetik bleibt der langfristige Knochenerhalt und die Vermeidung aseptischer Lockerungen infolge Polyethylenverschleißes. Die neueste Generation zementfreier titanbeschichteter, isoelastischer Monoblock-Pfannen mit Vitamin-E-angereichertem hochvernetztem Polyethylen (VEPE) zielt darauf ab, oxidative Veränderungen zu reduzieren, Abrieb zu minimieren und die Implantatüberlebensrate zu erhöhen. Ziel der vorliegenden multizentrischen Studie war es, neben den klinischen und radiologischen 10-Jahres-Ergebnissen eine Migrations- und Abriebsanalyse mittels Ein-Bild-Röntgen-Analyse (EBRA) darzustellen.
Material und Methoden: In dieser prospektiven multizentrischen Beobachtungsstudie wurden zwischen 2009 und 2012 insgesamt 675 primäre Hüfttotalendoprothesen (HTEP) bei 613 Patient:innen in neun Zentren in sechs Ländern implantiert. Die Studie wurde als internationale Initiatorstudie konzipiert und begleitete die weltweit ersten Implantationen der RM Pressfit vitamys Pfanne (Fa. Mathys, Schweiz). Die Nachuntersuchungen erfolgten präoperativ sowie postoperativ nach 6–12 Wochen, 6 Monaten, 1, 2, 5 und 10 Jahren. Die Schmerzen wurden mittels visueller Analogskala (VAS) erfasst. Zusätzlich wurde der Harris Hip Score (HHS) erhoben. Weiterhin wurden die Komplikationen, Revisionen und die Kaplan–Meier-Überlebensrate dokumentiert. Radiologisch wurden radioluzente Linien sowie periacetabuläre Osteolysen analysiert. Bei 181 Fällen erfolgte eine EBRA-Migrations- und Abriebsanalyse auf Basis von 543 standardisierten Beckenübersichtsaufnahmen.
Ergebnisse: Bei einer mittleren Nachbeobachtungszeit von 126,7 Monaten betrug die Überlebensrate 98,7%. Der HHS verbesserte sich signifikant von 54,1 ± 15,0 präoperativ auf 94,5 ± 9,1 Punkte. Die VAS Zufriedenheit lag bei 9,5 ± 1,1; der VAS Ruheschmerz betrug 0,2 ± 0,7 und der VAS Belastungsschmerz 0,5 ± 1,3 nach 10 Jahren. Radiologisch zeigten sich radioluzente Linien in 12,8% und periacetabuläre Osteolysen in 3,2% der Fälle, jeweils ohne klinische Relevanz oder Revisionsnotwendigkeit. Die EBRA-Analyse zeigte eine mittlere Gesamtmigration von 1,13 ± 1,24 mm nach 2 Jahren und 2,15 ± 2,03 mm nach 10 Jahren. Die jährliche Migrationsrate reduzierte sich von 0,57 mm/Jahr in den ersten zwei Jahren auf 0,21 mm/Jahr im weiteren Verlauf. Der Polyethylenabrieb betrug 0,26 ± 0,21 mm nach 2 Jahren und 0,47 ± 0,33 mm nach 10 Jahren, entsprechend einer jährlichen Abriebrate von 0,05 mm/Jahr im Langzeitverlauf.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Implantation der vitamys Pfanne zeigte in dieser multizentrischen Studie exzellente klinische Ergebnisse, eine hohe Überlebensrate sowie niedrige und im Verlauf deutlich abnehmende Migrations- und Abriebsraten. Die Daten sprechen für ein langfristig stabiles und abriebarmes Implantatkonzept zur Reduktion aseptischer Lockerungen in der zementfreien Hüftendoprothetik.



