German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Osteochondrale Frakturen nach Patellaluxation: Männliches Geschlecht und normale Trochleaanatomie als Risikofaktoren
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die akute Patellaluxation ist eine häufige Knieverletzung bei jungen und aktiven Patienten. Osteochondrale Frakturen (OCF) stellen eine kritische Komplikation dar, die die Therapieentscheidung maßgeblich beeinflusst. Eine zuverlässige Risikostratifizierung ist bislang nicht etabliert. Ziel dieser Studie war die Identifikation von Prädiktoren für das Auftreten osteochondraler Frakturen nach akuter Patellaluxation.
Material und Methoden: Retrospektive Kohortenstudie. Von 2000 bis 2024 wurden 296 Patienten mit akuter Patellaluxation eingeschlossen. Nach Ausschluss von Patienten mit Voroperationen, Begleitverletzungen oder offenen Wachstumsfugen verblieben 261 Patienten (Durchschnittsalter 24±10 Jahre; 59% männlich). Die MRT-Auswertung umfasste die trochleäre Morphologie (Dejour-Klassifikation, Sulkuswinkel, Trochleatiefe, Facettenvermessungen), sowie patellofemorale Alignment-Parameter (TT-TG-Distanz, Q-Winkel, Kongruenzwinkel). Eine multivariate logistische Regressionsanalyse identifizierte unabhängige Prädiktoren. Evidenzgrad: C.
Ergebnisse: Bei 133 Patienten (51%) wurden osteochondrale Frakturen nachgewiesen. Männliches Geschlecht (OR 2,38; 95% KI: 1,30–4,42; p=0,005) und rechtsseitige Luxation (OR 2,33; 95% KI: 1,21–4,58; p=0,013) waren die stärksten Prädiktoren. Patienten ohne OCF zeigten häufiger eine höhergradige Trochleadysplasie (Dejour Grad C-D: 27% vs. 10%; p=0,003). Eine trochleäre Kondylenasymmetrie war ebenfalls signifikant mit einer OCF assoziiert (OR 1,19; p=0,004). Die patellofemoralen Alignment-Parameter TT-TG-Distanz und Q-Winkel zeigten keinen signifikanten prädiktiven Wert.
Diskussion und Schlussfolgerung: Patienten mit normaler Trochlea-Anatomie weisen nach akuter Patellaluxation höhere osteochondrale Frakturraten auf als Patienten mit schwerer Dysplasie. Männliches Geschlecht und rechtsseitige Luxation sind ebenfalls mit erhöhtem Frakturrisiko assoziiert. Diese Befunde implizieren, dass demografische Faktoren und die trochleäre Morphologie in der diagnostischen Abklärung nach akuter Patellaluxation berücksichtigt werden sollten. Prospektive Studien sind erforderlich, bevor diese Parameter in Screening-Protokolle integriert werden können.



