German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Prävalenz der Typ-D-Persönlichkeit und ihr Zusammenhang mit Schmerz und Funktion in einer universitären Wirbelsäulenambulanz
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Zielsetzung und Fragestellung: Psychosoziale Faktoren spielen eine zentrale Rolle bei der Chronifizierung von Wirbelsäulenschmerzen. Die Typ-D-Persönlichkeit, charakterisiert durch negative Affektivität und soziale Inhibition, ist mit ungünstigen Verläufen bei chronischen Schmerzen assoziiert, wurde jedoch im ambulanten Wirbelsäulensetting bislang unzureichend untersucht. Ziel dieser Arbeit war es, die Prävalenz der Typ-D-Persönlichkeit in einer universitären Wirbelsäulenambulanz zu bestimmen und deren Zusammenhang mit Schmerz, Funktionseinschränkung und psychischer Belastung zu analysieren.
Material und Methoden: Es handelt sich um eine retrospektive Querschnittsstudie. Untersucht wurden 300 konsekutive Patientinnen und Patienten (18–85 Jahre), die sich zwischen 09/2023 und 09/2025 in einer universitären Wirbelsäulenambulanz vorstellten. Die Typ-D-Persönlichkeit wurde mittels DS14 (negative Affektivität ≥ 10 und soziale Inhibition ≥ 10) erfasst. Schmerzintensität wurde mit der visuellen Analogskala (VAS 0–10), funktionelle Einschränkung mit dem Oswestry Disability Index (ODI 0–100) und psychische Belastung mit der Hospital Anxiety and Depression Scale (HADS) gemessen. Gruppenvergleiche (Typ-D vs. Nicht-Typ-D) erfolgten mittels t-Test und Chi-Quadrat-Test. Zusammenhänge wurden deskriptiv und korrelativ analysiert.
Ergebnisse: Die Prävalenz der Typ-D-Persönlichkeit betrug 32,3%. Typ-D-Patienten berichteten signifikant höhere Schmerzintensitäten (VAS 5,23 vs. 3,88), stärkere funktionelle Einschränkungen (ODI 38,6 vs. 31,3) sowie höhere Angst- und Depressionswerte (HADS-A 10,0 vs. 6,5; HADS-D 8,4 vs. 6,4; alle p < 0,01). Die diagnostische Verteilung unterschied sich zwischen den Gruppen nicht wesentlich. Mit zunehmender Schmerzdauer zeigte sich eine stärkere Zunahme der Behinderung, insbesondere bei Typ-D-Patienten.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die Typ-D-Persönlichkeit ist bei etwa einem Drittel der ambulanten Wirbelsäulenpatienten präsent und mit höherer Schmerzintensität, stärkerer Funktionseinschränkung und erhöhter psychischer Belastung assoziiert. Eine frühzeitige psychosoziale Screening-Strategie könnte helfen, Hochrisikopatienten zu identifizieren und biopsychosozial ausgerichtete Therapiekonzepte gezielt einzusetzen.



