German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Analyse der Beeinflussbarkeit verschiedener PROMs durch Interviewer-Bias nach Knie-Totalendoprothese
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Patient Reported Outcome Measures (PROMs) sind zentrale Instrumente zur Beurteilung des klinischen Ergebnisses nach Implantation einer Knie-Totalendoprothese (Knie-TEP). Die teils erheblichen Unterschiede mittlerer PROM-Ergebnisse im nationalen und internationalen Vergleich lassen vermuten, dass neben chirurgischer Technik und Patientenselektion auch methodische Faktoren hierzu beitragen. Ein unterschiedlicher Erhebungsmodus kann einen systematischen Interviewer-Bias erzeugen und dadurch die Validität von erhobenen PROM-Daten beeinflussen. Ziel dieser prospektiven Studie war es zu untersuchen, ob eine interviewerassistierte Erhebung von PROMs im Vergleich zur selbstständigen Beantwortung zu signifikant unterschiedlichen Ergebnissen führt.
Material und Methoden: Es wurde eine prospektive, monozentrische Vergleichsstudie im Within-Subject-Design durchgeführt. Der Western Ontario and McMaster Universities Osteoarthritis Index (WOMAC), der Forgotten Joint Score (FJS) und der Oxford Knee Score (OKS) wurden drei Monate nach Implantation einer Knie-TEP jeweils zweimal erhoben: zunächst selbstständig durch die Patient:innen im häuslichen Setting in Papierform, anschließend in unterschiedlicher Reihenfolge interviewerassistiert durch geschultes Studienpersonal im Rahmen einer Kontrolluntersuchung. Während der interviewerassistierten Erhebung wurden Verständnisfragen beantwortet und Items erläutert, bei Unsicherheit zwischen zwei Antwortkategorien wurde die günstigere Ausprägung suggeriert. Zur statistischen Analyse wurden gepaarte t-Tests durchgeführt. Zur Quantifizierung der Effektstärke wurde die standardisierte gepaarte Effektgröße (dz) bestimmt. Als Signifikanzniveau wurde p < 0,05 definiert.
Ergebnisse: Es wurden 60 Patient:innen analysiert (41 weiblich, 19 männlich; Alter 63,7 ± 8,2 Jahre; Body-Mass-Index 29,4 ± 4,6 kg/m²). Für alle drei Scores zeigten sich signifikant günstigere Werte bei interviewerassistierter Erhebung (p < 0,05). Beim FJS betrug die mittlere Differenz 35,9 ± 17,7 Punkte (p < 0,001; dz = 2,03). Für den OKS ergab sich eine Differenz von 6,8 ± 4,7 Punkten (p < 0,001; dz = 1,44). Beim WOMAC lag die Differenz bei 8,4 ± 10,9 Punkten (p < 0,01; dz = 0,77). Der FJS zeigte somit die höchste Anfälligkeit gegenüber dem Erhebungsmodus.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der Erhebungsmodus beeinflusst PROM-Ergebnisse nach Knie-TEP signifikant und in klinisch relevanter Größenordnung. Die interviewerassistierte Erhebung führte systematisch zu günstigeren Ergebnissen, besonders ausgeprägt beim Forgotten Joint Score, der als Instrument zur Erfassung der Gelenkwahrnehmung besonders sensitiv gegenüber situativen Einflüssen und sozialer Erwünschtheit reagierte. Der Erhebungsmodus sollte daher bei der Interpretation und Vergleichbarkeit PROM-basierter Ergebnisse konsequent berücksichtigt und im wissenschaftlichen Kontext benannt werden.



