German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Altersadjustierte Normwertklassifikation der lumbalen Facettengelenksdegeneration nach Fujiwara und ihr Zusammenhang mit chronischem Rückenschmerz
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Facettengelenkdegeneration ist stark altersabhängig und tritt häufig auch bei asymptomatischen Erwachsenen auf, was die klinische Interpretierbarkeit absoluter degenerativer Veränderungen einschränkt. Ziel dieser Arbeit war es, segmentspezifische Erwartungsgleichungen der altersentsprechenden Facettendegeneration nach Fujiwara abzuleiten und die klinische Aussagekraft einer altersadjustierten Residuenklassifikation zu evaluieren.
Material und Methoden: Diese Querschnittsanalyse umfasste 1.180 Teilnehmende (18–72 Jahre). Die Facettendegeneration wurde anhand der Fujiwara-Klassifikation für die Segemnte L1/2–L5/S1 bewertet. In einer schmerzfreien Referenzkohorte (n = 331) wurden für jedes Segment eine Normwertgleichungen der Fujiwara-Werte in Abhängigkeit vom Alter abgeleitet, um individuelle erwartete Degenerationswerte sowie Residuenstreuung zu bestimmen. Zusätzlich erfolgte eine nicht altersadjustierte Einteilung der absoluten Fujiwara-Werte anhand der Verteilung in der schmerzfreien Referenzkohorte. In beiden Ansätzen wurden die Probanden gemäß ihren Abweichungen vom Erwartungswert in drei Kategorien eingeteilt (unterhalb, innerhalb, oberhalb; ±1 SD) (Abbildung 1 [Abb. 1]). Assoziationen mit chronischen lumbalen Rückenschmerzen (cLBP) und Schmerzintensität wurden, adjustiert für Geschlecht, BMI, Packungsjahre, mittels multivariabler logistischer bzw. linearer Regression untersucht; Effektmaße wurden als Odds Ratio dargestellt.
Ergebnisse: Die auf den Normwertgleichungen (Tabelle 1 [Tab. 1]) basierende altersadjustierte Residuenklassifikation zeigte signifikante Zusammenhänge mit cLBP, am deutlichsten bei L4/5 (oberhalb vs. unterhalb des Erwartungbereiches: OR 3,45;95%-KI 2,00–5,93; p < 0,001; oberhalb vs. altersentsprechend: OR 1,50; 95%-KI 1,08–2,09; p = 0,016; unterhalb vs. altersentsprechend: OR 0,44; 95%-KI 0,26–0,72; p = 0,001). Signifikante Extremgruppenvergleiche fanden sich ebenfalls auf Höhe L5/S1 (OR 1,86; 95%-KI 1,10–3,13; p = 0,020) sowie für den L1–S1-Summenscore (OR 2,39; 95%-KI 1,36–3,98; p = 0,003). Schmerzintensität war nur für L5/S1 signifikant assoziiert. Die verteilungsbasierte, absolute Klassifikation zeigte keine signifikanten Zusammenhänge.
Diskussion und Schlussfolgerung: Zusammenfassend stellten wir segmentspezifische Normgleichungen für die alterserwartete Facettendegeneration der Lendenwirbelsäule bereit. Die hierauf basierende altersadjustierte Residuenklassifikation war segmentabhängig mit cLBP assoziiert, während sich für die verteilungsbasierte absolute Klassifikation keine signifikanten Zusammenhänge ergaben. Dieser neuartige Ansatz ermöglicht eine objektive und reproduzierbare Abgrenzung zwischen altersentsprechender und altersunangemessener Degeneration und schafft damit eine klare Grundlage für die altersbezogene Interpretation degenerativer MRT-Befunde. Perspektivisch kann eine solche altersreferenzierte Einordnung helfen, disproportionale Degeneration früh zu identifizieren und präventive sowie frühzeitige interventionsorientierte Strategien gezielter zu unterstützen.





