German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Neurogener Schock nach traumatischer Rückenmarkverletzung – Häufigkeit, Risikofaktoren und Outcome im TraumaRegister DGU®
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Zielsetzung und Fragestellung: Der neurogene Schock stellt eine potenziell lebensbedrohliche Komplikation im Zusammenhang mit traumatischer Rückenmarkverletzung dar und stellt im Schockraum eine diagnostische sowie therapeutische Herausforderung dar. Aufgrund unterschiedlicher Definitionen sowie einer begrenzten Fallzahl sind belastbare Daten zu Häufigkeit, Risikofaktoren und klinischem Outcome bislang nur eingeschränkt verfügbar. Ziel dieser Studie war es, den neurogenen Schock anhand einer standardisierten Definition in einem umfangreichen Traumaregister zu analysieren und seine klinische Relevanz für die akute Versorgung zu beurteilen.
Material und Methoden: In dieser retrospektiven multizentrischen Registeranalyse wurden erwachsene Patienten (≥ 16 Jahre) mit schwerer traumatischer Rückenmarkverletzung (AIS-Wirbelsäule ≥ 4) aus dem TraumaRegister DGU® (2009–2023) eingeschlossen. Der neurogene Schock wurde definiert als Kombination aus Hypotonie (systolischer Blutdruck ≤ 100 mmHg) und Bradykardie (Herzfrequenz ≤ 60/min) bei Ausschluss relevanter Blutungsquellen und ohne Bluttransfusion. Untersucht wurden die Inzidenz, die Verletzungsmuster, die präklinischen Maßnahmen und die klinischen Outcomes. Primärer Endpunkt war die Krankenhausletalität.
Ergebnisse: Von 4.002 Patienten mit schwerer Rückenmarkverletzung erfüllten 491 (12,3%) die Kriterien eines neurogenen Schocks. Betroffen waren überwiegend ältere Patienten sowie Patienten mit zervikalen Läsionen. Der neurogene Schock war mit deutlich erhöhten Raten präklinischer Intubation (41%) und Reanimation (26,8%) assoziiert. Die Krankenhausletalität lag bei Patienten mit neurogenem Schock bei 29,5% und damit etwa fünfmal so hoch wie bei hämodynamisch stabilen Patienten (6,3%). Auch das funktionelle Outcome bei der Entlassung war deutlich schlechter. Die Inzidenz und Mortalität des neurogenen Schocks blieben über den 15-jährigen Beobachtungszeitraum hinweg unverändert. In der multivariaten Analyse erwiesen sich ein höheres Lebensalter und zervikale Rückenmarkverletzungen als unabhängige Risikofaktoren.
Diskussion und Schlussfolgerung: Der neurogene Schock stellt eine häufige und klinisch bedeutende Komplikation nach schwerer traumatischer Rückenmarkverletzung dar, insbesondere bei älteren Patienten sowie bei zervikalen Läsionen. Die hohe Mortalitätsrate in der Frühphase und das Fehlen signifikanter Verbesserungen in den letzten Jahren heben die Notwendigkeit einer verbesserten Früherkennung und einer gezielten hämodynamischen Therapie hervor. Eine präzise Differenzierung vom hämorrhagischen Schock sowie die frühzeitige Anwendung MAP-zielgerichteter Behandlungsstrategien sind für die Versorgung von Wirbelsäulen- und Schwerverletzten von essenzieller Bedeutung.



