German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Thoraxwandosteosynthese nach kardiopulmonaler Reanimation (CPR) – optimaler Operationszeitpunkt und Einfluss auf das postoperative Outcome
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Mechanische Thoraxkompressionen bei kardiopulmonalen Reanimation (CPR) führen typischerweise zu einer Sternumfraktur in Höhe der 3.–4. Rippe, einer beidseitigen parasternalen osteochondralen Dissoziation sowie häufig zu zusätzlichen anterolateralen Rippenserienfrakturen (Abbildung 1 [Abb. 1]). Diese Verletzungskonstellation führt zu einem paradoxen Atemmuster mit konsekutiv prolongierter invasiver Beatmung und Sekundärkomplikationen. Zur Wiederherstellung der Thoraxwandstabilität und damit eines frühzeitigen Weanings wurde eine operative Strategie der Thoraxwandrekonstruktion (CWR) etabliert: transsternale Plattenosteosynthese der 5. Rippe + Sternum (+/- weitere Rippen anterolat.). Der OP-Zeitpunkt wird häufig durch die Grunderkrankung, Infektionen und metabolische Entgleisungen verzögert. Ziel dieser Studie war es, Parameter zu identifizieren, die einen günstigen OP-Zeitpunkt für die CWR anzeigen, sowie den Einfluss auf das Outcome zu evaluieren.
Material und Methoden: Retrospektive monozentrische Analyse mit post-CPR + CWR Pat. (2019 – 2025). Datenerhebung mittels elektr. Pat.-akte, intensivmed. Doku. und Beatmungsparameter. Erfasst wurden demograf. Daten, Dauer von CPR bis CWR, ICU-Liegedauer, Beatmungsdauer (gesamt und postOP), Vitalparameter, Katecholaminbedarf, neurol. Status (RASS-Score) sowie Laborparameter (u.a. Leukozyten, Laktat). Prim. Endpunkte: OP-Zeitpunkt, ICU-Liegedauer, 30-Tage-Letalität; Sek. Endpunkte: Pneumonie, Sepsis, kardialer Dekompensation.
Ergebnisse: Es wurden 29 Pat. (21 m, 8 w), Alter 69,5 Jahren eingeschlossen. Die Zeit von CPR bis CWR betrug im Mittel 11,07 Tage, durchschnittliche ICU-Liegedauer 28 Tage. Die mittlere Gesamtbeatmungsdauer betrug 413 h, die postOP Beatmungsdauer 164 h. Pat., die < 10 Tage post-CPR operiert wurden, zeigten eine sign. kürzere postOP Beatmungsdauer (im Mittel 89 h) im Vergleich zu Pat. mit CWR >10 Tage post-CPR (p = 0,03). 9 Pat. verstarben innerhalb von 30 Tagen nach CWR. Ein günstiger Verlauf war assoziiert mit mind. hoch-normwertigen Leukozyten, sinkendem Katecholaminbedarf, Laktat < 2 mmol/l und deeskalierenden Beatmungsparametern (FiO2, PEEP, assistierte Beatmungsmodi). Zudem zeigte sich ein RASS-Score von ≥ −2 am Tubus präoperativ als Voraussetzung für ein erfolgreiches Weaning nach CWR. Ein OP-Zeitpunkt <10 Tage nach CPR ging mit einer sign. reduzierten Letalität und einer verkürzten postOP Beatmungsdauer einher.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die operative CWR post-CPR stellt die physiologische Atemmechanik unmittelbar postOP wieder her und schafft die Grundlage für ein erfolgreiches Weaning. Die Ergebnisse legen nahe, dass eine CWR < 10 Tagen nach CPR – bei weitgehend stabilisierten Infektparametern, nahezu normwertigem Laktat, rückläufigem Katecholaminbedarf und einem RASS-Score von mind. −2 – mit einer sign. kürzeren postOP Beatmungsdauer, reduzierten Letalität sowie tendenziell verkürzten ICU-Liegedauer assoziiert ist. Die frühzeitige CWR nach CPR kann damit wesentlich zur frühzeitigen Rehabilitation der einer CPR zugrunde liegenden Ursache beitragen.




