German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Erhöhte anteriore Kniegelenkslaxizität in der Ovulationsphase des Menstruationszyklus
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die anteriore Kniegelenkslaxizität steht in engem Zusammenhang mit Verletzungen des vorderen Kreuzbandes. Bei Frauen ist die Wahrscheinlichkeit, sich das vordere Kreuzband zu reißen, etwa dreimal so hoch wie bei Männern. Die Ovulationsphase scheint ein Risikofaktor für Rupturen des vorderen Kreuzbandes zu sein. Ziel dieser Studie ist es, den Einfluss des Menstruationszyklus auf die mittels Arthrometer gemessene anteriore Kniegelenkslaxizität zu bestimmen.
Material und Methoden: In einer prospektiven klinischen Studie wurde die anteriore Kniegelenkslaxizität bei sechs gesunden Teilnehmenden mit dem Lachman-Test und einem Arthrometer (Rolimeter® CE) an beiden Knien gemessen. Dabei wurde nach dem dominanten und nicht-dominanten Knie unterschieden. Die Messungen wurden über drei Menstruationszyklen hinweg während der Menstruations-, Follikel-, Ovulations- und Lutealphase durchgeführt. Die aktuelle Zyklusphase wurde mittels eines handelsüblichen Ovulationstests (Urinprobe) und einem Fragebogen zum Menstruationszyklus bestimmt. Eine Schwangerschaft wurde mittels β-hCG-Messung im Urin ausgeschlossen. Die Datenanalyse wurde mit SPSS durchgeführt. Die aufgezeichneten Zyklen wurden separat statistisch ausgewertet. Bei vorliegender Normalverteilung im Shapiro-Wilk-Test wurde eine ANOVA mit Messwiederholungen durchgeführt. Bei fehlender Normalverteilung wurde ein Friedman-Test durchgeführt. Die Signifikanz wurde auf p<0,05 festgelegt.
Ergebnisse: Die ANOVA mit Messwiederholungen ergibt bei der dominanten Seite einen signifikanten Unterschied der anterioren Kniegelenkslaxizität zwischen den Phasen des Menstruationszyklus (p<0,004). Post-hoc-Tests mit Bonferroni-Korrektur zeigen eine signifikant erhöhte anteriore Kniegelenkslaxizität während der Ovulationsphase im Vergleich zur Lutealphase. Sie beträgt im Mittel 6,8 mm (+/- 1,6 mm) in der Menstruations-, 7,3 mm (+/- 1,8 mm) in der Follikel-, 8,2 mm (+/- 1,6 mm) in der Ovulations- und 6,5 mm (+/- 1,5 mm) in der Lutealphase.Der Friedman-Test für die nicht-dominante Seite ergibt ebenfalls einen signifikanten Unterschied der anterioren Kniegelenkslaxizität (p<0,001). Anschließend durchgeführte Post-hoc-Tests mit Bonferroni-Korrektur zeigen, dass sich die Ovulationsphase von der Lutealphase und der Menstruationsphase signifikant unterscheidet. Die anteriore Kniegelenkslaxizität beträgt 6,4 mm (+/- 1,1 mm) in der Menstruations-, 7,3 mm (+/- 1,9 mm) in der Follikel-, 8,2 mm (+/- 1 mm) in der Ovulations- und 6,7 mm (+/- 1,4 mm) in der Lutealphase.
Diskussion und Schlussfolgerung: Diese Ergebnisse tragen dazu bei, den „Gender Data Gap“ zu verringern. Die während der Ovulationsphase beobachtete erhöhte anteriore Kniegelenkslaxizität kann zu einer höheren Inzidenz von Verletzungen des vorderen Kreuzbandes führen. In Folgestudien soll weiter untersucht werden, wie diese Erkenntnisse dazu beitragen können, den Operationszeitpunkt, die physiotherapeutische Rehabilitation und die Rückkehr zum Sport nach Verletzungen in Abhängigkeit vom Menstruationszyklus zu optimieren.



