German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einzeitige bilaterale Endoprothetik von Hüfte und Knie: Sicherheit und Blutverlust unter modernen perioperativen Blutmanagement-Protokollen
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die einzeitige bilaterale Endoprothetik großer Gelenke (Single-Stage Bilateral, SSBL) bietet potenzielle Vorteile wie eine verkürzte Gesamtbehandlungsdauer und eine einmalige Narkose. Dennoch bestehen weiterhin Vorbehalte hinsichtlich eines erhöhten perioperativen Blutverlustes, verlängerten Operationszeiten und eines gesteigerten Transfusionsrisikos. Ziel dieses Vortrags ist es, die Sicherheit der einzeitigen bilateralen Hüft- und Knieendoprothetik unter standardisierten perioperativen Blutmanagement-Protokollen zu evaluieren.
Material und Methoden: Der Vortrag integriert die Ergebnisse zweier eigenständiger retrospektiver klinischer Studien aus einem spezialisierten Endoprothetikzentrum. In der ersten Studie wurden 469 Patient:innen analysiert, die sich einer einzeitigen bilateralen Hüfttotalendoprothese über einen minimalinvasiven anterolateralen Zugang mit zementfreiem Kurzschaft unterzogen. Die zweite Studie verglich einzeitige bilaterale Knieendoprothesen mit unilateralen Eingriffen mittels Propensity-Score-Matching (1:4) hinsichtlich perioperativem Blutverlust, Transfusionsrate, Operations- und Narkosezeit sowie stationärer Verweildauer. In beiden Studien kamen standardisierte Blutmanagement-Protokolle mit restriktiven Transfusionsschwellen und routinemäßigem Einsatz von Tranexamsäure zum Einsatz.
Ergebnisse: In der SSBL-Hüftkohorte zeigte sich trotz längerer Operationszeiten eine sehr niedrige Transfusionsrate von 1,9%, was deutlich unter den in der Literatur beschriebenen Werten liegt. Die systemische Gabe von Tranexamsäure reduzierte den Transfusionsbedarf signifikant. In der Knie-Studie war der Hämoglobinabfall sowie die Operations- und Narkosezeit bei bilateralen Eingriffen erwartungsgemäß höher als bei unilateralen Prozeduren. Dennoch zeigte sich keine signifikante Erhöhung der Transfusionsrate (3,5% vs. 0%) und keine Zunahme schwerer perioperativer Komplikationen. Die stationäre Verweildauer war bei SSBL-Eingriffen verlängert, bleibt jedoch im Gesamtkontext einer vermiedenen Zweitoperation zu interpretieren.
Diskussion und Schlussfolgerung: Unter Anwendung standardisierter perioperativer Blutmanagement-Strategien stellt die einzeitige bilaterale Endoprothetik von Hüfte und Knie bei sorgfältiger Patientenselektion eine sichere Behandlungsoption dar. Trotz erhöhtem Blutverlust und längerer Operationszeiten kann das Transfusionsrisiko effektiv kontrolliert werden. Die Ergebnisse unterstützen den gezielten Einsatz von SSBL-Verfahren in der modernen Endoprothetik.



