German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Analyse der axialen Sinterung von konischen, modularen Revisionsschäften in der Hüftegelenktotalendoprothetik
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Die Prothesenlockerung ist eine klinisch anspruchsvolle Komplikation nach totaler Hüftendoprothese (HTEP) und erfordert aufgrund der damit verbundenen Symptome nicht selten eine Revisionsoperation, da sie zu Schmerzen, Instabilität und funktionellen Einschränkungen führen kann. Trotz moderner Implantatdesigns und verbesserter Operationstechniken bleibt die Lockerung eine der führenden Ursachen für Langzeitversagen. Modulare konische Revisionsschäfte (MKR) bieten in einer solchen Revisionsoperation intraoperative Flexibilität zur Behandlung unterschiedlicher Knochendefekte und zur Wiederherstellung der Hüftbiomechanik. Ziel dieser Studie war die Untersuchung der axialen Migration von MKR in der Hüftrevisionsendoprothetik unter Verwendung eines standardisierten radiologischen Vorgehens.
Material und Methoden: Es wurde eine monozentrische retrospektive Kohortenstudie durchgeführt. Eingeschlossen wurden 100 Patienten (n=55 weiblich, n=45 männlich), die zwischen 01/2019 und 05/2024 eine primäre oder revisionsbedingte HTEP mit einem MKR erhielten und vordefinierte radiologische Nachbeobachtungskriterien erfüllten (standardisierte stehende anteroposteriore Beckenübersichtsaufnahmen nach 6 und 12 Wochen sowie ≥6 Wochen Vollbelastung). Die axiale Schaftmigration bis 12 Wochen wurde mit mediCAD® quantifiziert. Der primäre Endpunkt war das Ausmaß der frühen Schaftsinterung; sekundäre Endpunkte waren Zusammenhänge zwischen Sinterung und Patientenmerkmalen.
Ergebnisse: Das Durchschnittsalter betrug 67,92 Jahre (± 11,16), der mittlere BMI 29,78 (± 7,09). Die durchschnittliche Sinterung betrug 2,36 mm (± 4,23) nach 6 Wochen postoperativ und 4,43 mm (± 4,98) nach 12 Wochen. Die Sinterung wurde weder signifikant durch einen BMI > 40 noch durch das Nachbehandlungsregime (Entlastung, Teilbelastung, Vollbelastung) oder die Indikation zur Revisionsoperation ((a)septischer Wechsel, Fraktur) beeinflusst. Es zeigte sich ein signifikanter Einfluss auf die Sinterung bei Verwendung von Cerclagen (n=55) im Vergleich zu Patienten, welche keine Cerclagen (n=45) erhielten (3,09 ± 5,56 mm vs. 4,83 ± 4,49 mm; p=0,004). Dieser Effekt war unabhängig von der Indikation für die eingebrachten Cerclagen (Sicherungscerclage, Cerclage als Osteosynthese bei prä- oder intraoperativen Femurschaftfrakturen).
Diskussion und Schlussfolgerung: MKR zeigten eine begrenzte frühe axiale Migration mit einer mittleren Sinterung von 2,36 mm nach 6 Wochen und insgesamt 4,43 mm nach 12 Wochen. Weder schwere Adipositas (BMI > 40), das postoperative Belastungsregime noch die Revisionsindikation hatten einen signifikanten Einfluss. Der einzige Faktor, der mit einer signifikant erhöhten Sinterung assoziiert war, stellte die fehlende Anwendung von femoralen Cerclagen dar, sodass die in dieser Studie erhobenen Daten die Anwendung von femoralen Sicherungscerclagen und Cerlcagen im Setting von periprothetischen Frakturen bei Revisionsoperationen mit MKR unterstützen.



