German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss der Fettgewebe- und Muskelmassenkomposition auf Outcome und Mortalität bei Polytrauma: Eine KI-gestützte CT-basierte Analyse mit Body and Organ Analysis (BOA)
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Zielsetzung und Fragestellung: Körperzusammensetzung gewinnt zunehmend an Bedeutung als prognostischer Marker bei schwer erkrankten Patient:innen. Ziel dieser Analyse war die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen viszeralem Fettanteil, Muskelmasse und Mortalität. Neben potenziellen Nachteilen wie erhöhter Komplikationsrate und verlängerter Beatmungsdauer werden auch mögliche protektive Effekte vermehrten Fettgewebes, etwa mechanischer Schutz und energetische Reserven, berücksichtigt. Zudem wird der Einfluss einer verminderten Muskelmasse (Sarkopenie) auf Sterblichkeit, Komplikationen und funktionelle Erholung nach Trauma analysiert.
Material und Methoden: Die retrospektive Analyse klinikinterner Traumaregisterdaten umfasste insg. 201 Patient:innen (2021–2024) ≥18 Jahre mit einem Injury Severity Score ISS ≥16; Verlegungen und isolierte neurochirurgische Traumata wurden ausgeschlossen. Mithilfe einer KI-basierten CT-Auswertung (BOA, Haubold et al. 2024) der Traumaspirale wurden Gesamt- und abdominelles Fettgewebe- und Muskelmassenkomposition quantifiziert: Gesamtfett TAT, intermuskuläres IMAT, subkutanes SAT und viszerales Fettgewebe VAT sowie die Muskelmasse MM. Primärer Endpunkt war die Mortalität (20%, n=42), sekundäre Endpunkte u.a. Intensiv- und Krankenhausverweildauer, Beatmungsdauer, Reanimation sowie initialer und Entlassungs-GCS.
Ergebnisse: 72% der Patient:innen waren männlich (n=146), das Durchschnittsalter betrug 52,3±20,4 Jahre. Der mittlere ISS lag bei 26,6±11,0 [16–75], der initiale GCS bei 11,3±4,7. Präklinisch oder im Schockraum intubiert wurden 43,3%, 11,9% waren reanimationspflichtig. Die mittlere Krankenhausverweildauer betrug 19,3±17,7 Tage [0–92], davon 13,9±15,6 Tage auf Intensiv. Im Gesamt- und abdominellen Scan zeigte sich ein signifikanter Unterschied des viszeralen Fettanteils zwischen Überlebenden und Verstorbenen (p=0,016 – p=0,013), wobei Überlebende geringere Werte aufwiesen. Dieser Zusammenhang bestätigte sich in der Subgruppenanalyse für Männer, nicht für Frauen. In der männlichen Kohorte bestand zudem ein signifikanter Unterschied der Muskelmasse (Gesamtscan p=0,009; Abdomen p=0,004) mit höheren Werten bei Überlebenden. Der Sarkopenie-Index SI als Quotient aus Muskel- und Knochenvolumen lag im Mittel bei 3,1±0,7 [1,7-5,7]. In der logistischen Regressionsanalyse war eine Erhöhung des SI um eine Einheit mit einer um 63% erhöhten Sterbewahrscheinlichkeit assoziiert.
Diskussion und Schlussfolgerung: Die abschließende Gesamtdatenanalyse steht derzeit noch aus, um die Validität und Aussagekraft der Fettgewebe- und Muskelmassenkomposition zu bewerten. Vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Verteilung potenziell als prädiktives Instrument zur Identifikation von Komplikations- und Risikopatienten eingesetzt werden kann. Besonders die viszerale Fettquantifizierung und der Sarkopenie-Index könnten als Screening-Tools zur Risikostratifizierung dienen. Darüber hinaus könnte sie einen Beitrag zu einer vorausschauenden und bedarfsgerechten Kapazitätsplanung im Hinblick auf Personal- und Infrastrukturressourcen leisten.



