German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Einfluss verschiedener Verletzungen des Triangulären fibrocartilaginären Komplexes in Abhängigkeit von Pro- und Supination auf die Stabilität des distalen Radioulnargelenkes – eine biomechanische Studie
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Instabilitäten des distalen Radioulnargelenks (DRUG) stellen eine häufige Ursache chronischer, ulnarseitiger Handgelenksschmerzen dar und sind im klinischen Alltag mit diagnostischen und therapeutischen Herausforderungen verbunden. Während zahlreiche Studien unterschiedliche Rekonstruktionsverfahren bei Verletzungen des triangulären fibrocartilaginären Komplexes (TFCC) untersucht haben, bleibt jedoch unklar, welche spezifischen Läsionsmuster des TFCC überhaupt zu einer relevanten Instabilität des DRUG führen. Dabei ist der Einfluss der Pro- und Supinationsstellung auf die differenzierte Diagnostik einer DRUG-Instabilität nicht abschließend geklärt. Ziel dieser biomechanischen Studie war es daher, den Beitrag einzelner anatomischer Strukturen des TFCC zur biomechanischen Stabilität des DRUG in unterschiedlichen Pro- und Supinationswinkeln zu analysieren.
Material und Methoden: Die Stabilität des DRUG wurde mithilfe einer uniaxialen Prüfmaschine (Instron 8874; Instron, Darmstadt, Germany) an humanen Unterarmpräparaten (n=9) untersucht. In maximaler Pro- und Supination, halb-maximaler Pro- und Supination und Neutralstellung wurde die Stabilität der Ulna in Relation zum Radius in einem weggesteuerten Protokoll getestet. Die Untersuchung wurde am intakten TFCC sowie dem sequenziell durchtrennten TFCC durchgeführt (1. dorsale Kapsel + dorsales radioulnares Ligament (DRUL); 2. palmare Kapsel + palmares radioulnares Ligament (PRUL); 3. Lig. subcruentum; 4. Obliques Bündel der Membrana interossea). Die Auswertung erfolgte mittels Zwei-Wege-ANOVA mit anschließendem Dunnett-Post-hoc-Test; das Signifikanzniveau wurde auf p < 0,05 festgelegt.
Ergebnisse: Das Lig. subcruentum zeigte sich sowohl bei der dorsalen als auch palmaren Translation als Hauptstabilisator des DRUG. Bei dorsaler Translation betrug der Anteil des Lig. subcruentum an der Stabilität im DRUG 48–99% (signifikant in halber und maximaler Pronation, Neutralstellung sowie halb maximale Supination). Zusätzlich bietet die palmare Kapsel + PRUL bei dorsaler Translation Stabilität, welches sich insbesondere bei Supination zeigt (max. Supination 11%; halb-max. Supination 18%), jedoch ohne statistische Signifikanz. Auch bei palmarer Translation wirkt das Lig. subcruentum als Hauptstabilisator mit einem Anteil von 11–38% an der Stabilität im DRUG, statistisch signifikant in Neutralstellung und maximaler Pronation. Einen weiteren statistisch siginifikanten Stabilisator bei palmarer Translation stellt das Oblique Bündel in maximaler Pronation dar (p=0.03).
Diskussion und Schlussfolgerung: Das Lig. subcruentum stellt sich über alle Supinations- und Pronationswinkel sowie bei dorsaler und palmarer Translation als Hauptstabilisator im DRUG dar und sollte daher sowohl in der klinischen und radiologischen Diagnostik als auch bei der Rekonstruktion primär Beachtung finden. Klinische Testungen der Kapsel auf Integrität haben insbesondere in Supinationsstellung einen Stellenwert, da sich der stabilisierende Effekt im DRUG in Supination am deutlichsten zeigt.



