German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)
Deutscher Kongress für Orthopädie und Unfallchirurgie 2026 (DKOU 2026)
Komplikationen nach operativer Versorgung distaler Fibulafrakturen durch Plattenosteosynthese
Text
Zielsetzung und Fragestellung: Frakturen der distalen Fibula sind häufig und können konservativ oder operativ behandelt werden. Wenn eine Operation erforderlich ist, besteht ein hohes Risiko für Infektionen, Wundheilungsstörungen sowie Pseudarthrosen. Obwohl Drittelrohrplatten lange als Goldstandard galten, werden Locking Compression Plates (LCPs) immer beliebter. Sie bieten zwar biomechanische Vorteile bei osteoporotischen Knochen, jedoch kann ihre Dicke zu höheren Raten von Wundkomplikationen führen. Derzeit gibt es keine klaren Empfehlungen, welcher Plattentyp zur chirurgischen Behandlung von Frakturen der distalen Fibula verwendet werden sollte.
Material und Methoden: Diese retrospektive single-center Kohortenstudie schloss Patienten mit distalen Fibulafrakturen (einschließlich bi- und trimalleolären Frakturen) ein, die zwischen Januar 2008 und Juli 2024 in einem Level-I-Traumazentrum mittels primärer Plattenosteosynthese mit einer Drittelrohrplatte, einer LCP-Platte, einer distalen anatomischen LCP-Platte oder anderen Plattentypen behandelt wurden. Demografische, klinische, fraktur- und operationsbezogene Parameter wurden retrospektiv aus elektronischen Patientenakten erfasst und analysiert.
Ergebnisse: Insgesamt wurden 1279 Patienten (602 Männer, 677 Frauen) eingeschlossen. Die Patienten waren im Median 53 [37–65] Jahre alt. Davon wurden 840 [65,7 %] Patienten mit einer Drittelrohrplatte, 174 [13,6%] mit einer LCP, 246 [19,2%] mit einer distalen anatomischen LCP und 19 [1,5%] mit anderen Platten behandelt. Komplikationen traten bei 12,4% nach der Behandlung mit der Drittelrohrplatte, bei 25,9% (LCP) bzw. bei 21,0% (distale anatomische LCP) auf. In 10,6% aller Fälle war eine chirurgische Revision erforderlich. Die multivariable logistische Regression identifizierte LCPs und distale anatomische LCPs als unabhängige Prädiktoren für das Auftreten mindestens einer Komplikation (Odds Ratio (OR) 1,93; 95% Konfidenzintervall (KI) 1,21–3,10 bzw. OR 1,60; KI 1,06–2,41) (Tabelle 1 [Tab. 1]). Auch höheres Alter, ein höherer BMI, Diabetes mellitus, Rauchen und eine längere Operationszeit konnten als unabhängige Prädiktoren ermittelt werden (Tabelle 1 [Tab. 1]). Subgruppenanalysen zeigten u.a., dass die Verwendung von LCPs ein signifikanter Risikofaktor für die Notwendigkeit einer operativen Revision ist (OR 1,87; KI 1,09–3,22) (Tabelle 2 [Tab. 2]). Distale anatomische LCPs führten zu signifikant erhöhten Raten an Infektionen (OR 1,89; KI 1,03–3,48) und Wundheilungsstörungen (OR 1,85; KI 1,09–3,13) (Tabelle 2 [Tab. 2]).
Diskussion und Schlussfolgerung: Die konventionellen Drittelrohrplatten weisen im Vergleich zu LCPs und distalen anatomischen LCPs geringere Raten an postoperativen Komplikationen, verzögerter Knochenheilung und Revisionsoperationen auf. Unter Berücksichtigung dieser Ergebnisse sollten (distale anatomische) LCPs bei der operativen Versorgung distaler Fibulafrakturen nur nach sorgfältiger Risiko-Nutzen-Abwägung eingesetzt werden.





