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German Congress of Orthopaedics and Traumatology 2026 (DKOU 2026)

Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Unfallchirurgie (DGOU), Deutsche Gesellschaft für Orthopädie und Orthopädische Chirurgie (DGOOC), Deutsche Gesellschaft für Unfallchirurgie (DGU), Berufsverband für Orthopädie und Unfallchirurgie (BVOU)
20.-23.10.2026
Berlin

Meeting Abstract

Primäre Ellbogen-Totalendoprothese bei komplexen distalen Humerusfrakturen im geriatrischen Kollektiv – valide Strategie statt Salvage-Option

Angelika Schwarz - AUVA – UKH Steiermark, Standort Graz, Graz, Österreich
Michael Plecko - AUVA – UKH Steiermark, Standort Graz, Graz, Österreich

Text

Zielsetzung und Fragestellung: Komplexe distale Humerusfrakturen treten gehäuft im geriatrischen Patientenkollektiv auf und sind häufig mit Osteoporose, Mehrfragmentfrakturen und eingeschränkter Knochenqualität assoziiert. Die Rekonstruktion mittels Osteosynthese ist in dieser Population technisch anspruchsvoll und mit relevanten Komplikationsraten verbunden. Die Ellbogen-Totalendoprothese (ETEP) stellt daher insbesondere im geriatrischen Setting eine etablierte Behandlungsoption dar. Während gute kurzfristige Ergebnisse beschrieben sind, ist die Evidenz im mittelfristigen Verlauf limitiert. Ziel der vorliegenden Studie war die Analyse mittelfristiger klinischer Ergebnisse in einem repräsentativen Single-Center-Kollektiv. Hypothesch wurde ein vergleichbares klinisches Outcome zwischen Fraktur- und elektiver Indikation festgesetzt, wodurch der Stellenwert der ETEP insbesondere in der komplexen geriatrischen Frakturversorgung gerechtfertigt wird.

Material und Methoden: Zwischen 2001 und 2025 wurden 121 Patient:innen mit einer ETEP versorgt (w:m = 3:1; mittleres Alter 70 Jahre, Range 28–94). Das mittlere Follow-up betrug 6,0 Jahre (Range 1,0–21,6). Eingeschlossen wurden ausschließlich Patient:innen mit identischem Implantatdesign (Coonrad/Morrey oder NEXEL) und einem Mindest-Follow-up ≥ 2 Jahren. Die Fraktur-Endoprothesen wurden retrospektiv mit einer Kontrollgruppe nach elektiver Implantation gematcht: Gruppe I: Fraktur-Endoprothesen. Gruppe II: Elektive ProthesenErhoben wurden MEPS, VAS, Range of Motion (ROM) sowie SANE. Die statistische Analyse erfolgte deskriptiv und inferenzstatistisch (Signifikanzniveau p < 0,05).

Ergebnisse: Beide Gruppen zeigten eine hohe Patientenzufriedenheit sowie gute klinische Ergebnisse ohne signifikante Unterschiede (alle p > 0,05): Gruppe I – Frakturindikation: SANE: Ø 91%, VAS: Ø 0,8, Flexion: Ø 121°, Extensionsdefizit: Ø 14°, MEPS: Ø 93. Gruppe II – elektive Indikation: SANE: Ø 86%, VAS: Ø 0,7, Flexion: Ø 122°, Extensionsdefizit: Ø 16°, MEPS: Ø 91. Die Gesamtkomplikationsrate betrug 20% ohne relevante Unterschiede zwischen den beiden Gruppen.

Diskussion und Schlussfolgerung: Die ETEP zeigt im mittelfristigen Verlauf bei komplexen distalen Humerusfrakturen – insbesondere im geriatrischen Patientenkollektiv – klinische Ergebnisse, die mit elektiven Implantationen vergleichbar sind. Gerade bei osteoporotischer bzw. reduzierter Knochenqualität und nicht rekonstruierbaren Frakturmorphologien stellt die primäre Endoprothese eine verlässliche Therapieoption mit hoher Patientenzufriedenheit dar. Die vorliegenden Daten unterstreichen somit den hohen Stellenwert der ETEP in der komplexen Frakturversorgung, insbesondere bei eingeschränkter Knochenqualität.