66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Langzeit-Hebedefektmorbidität nach autologer Nerventransplantation: Evaluation kutaner Unterarm- und Suralisspendernerven
Text
Fragestellung: Autologe Nerventransplantate sind ein unverzichtbares Instrument der peripheren Nervenrekonstruktion. Die Hebedefektmorbidität nach Entnahme peripherer Spendernerven wird in der präoperativen Aufklärung und in der Literatur möglicherweise überschätzt. Ziel dieser Studie war die Evaluation der langfristigen Hebedefektergebnisse nach Entnahme häufig verwendeter Spendernerven, einschließlich des Nervus cutaneus antebrachii medialis (MACN), des Nervus cutaneus antebrachii lateralis (LACN) und des Nervus suralis.
Methodik: Patienten wurden im Langzeit-Follow-up nach autologer Nerventransplantatentnahme nachuntersucht. Die Hebedefektsensibilität wurde mittels Zwei-Punkte-Diskrimination (2PD) und Semmes-Weinstein-Monofilamenten evaluiert. Hoffmann-Tinel-Zeichen sowie Ruhe- und Belastungsschmerz wurden dokumentiert. Patientenberichtete Outcomes umfassten den QuickDASH-Fragebogen für Unterarmhebungen, die Lower Extremity Functional Scale (LEFS) für Suralisentnahmen, den SF-12 (Physical und Mental Component Summary) sowie painDETECT.
Ergebnisse: 38 Patienten wurden bei einem medianen Follow-up von 7,8 Jahren (Spannweite 5,6–12,9 Jahre) eingeschlossen. Entnommene Spendernerven waren LACN (n=13), MACN (n=11) und N. suralis (n=14). Kein Patient berichtete über Ruhe- oder Belastungsschmerz am Hebedefekt, kein Patient wies einen pathologischen painDETECT-Score auf. Drei Patienten (8,0%) zeigten ein positives Hoffmann-Tinel-Zeichen. In der Sensibilitätsprüfung wiesen 19 Patienten (50,0%) eine physiologische Spitz-Stumpf-Diskrimination, 32 (84,2%) ein physiologisches Vibrationsempfinden, 16 (42,1%) eine physiologische Kälteempfindung und 34 (89,5%) eine physiologische Wärmeempfindung auf; die übrigen Patienten zeigten eine verminderte Sensibilität in der jeweiligen Modalität. Die mittlere 2PD am Hebedefekt war gegenüber der Gegenseite erhöht (48,6±13,7 mm vs. 43,7±11,5 mm), mit einer Differenz von ≥5 mm bei 23 Patienten (60,5%). 16 Patienten (42,1%) nahmen das 2,83-g-Monofilament wahr, ansteigend auf 24 (63,2%) bei 3,61 g und 29 (76,3%) bei 4,31 g. Die patientenberichtete Funktion blieb hoch mit minimaler Einschränkung der oberen Extremität nach Unterarmhebung (mittlerer QuickDASH 0,8±1,8) und erhaltener Funktion der unteren Extremität nach Suralisentnahme (mittlere LEFS 78,3±4,2).
Schlussfolgerung: Im Langzeit-Follow-up war die Hebedefektmorbidität nach autologer Nerventransplantatentnahme gering. Obwohl messbare Sensibilitätsdefizite bei einem Teil der Patienten persistierten, fehlte eine Schmerzsymptomatik und die patientenberichtete Funktion blieb hoch. Diese Ergebnisse unterstützen die fortgesetzte Verwendung von MACN-, LACN- und Suralistransplantaten und können die Präzision der präoperativen Aufklärung hinsichtlich der zu erwartenden Hebedefektergebnisse verbessern.



