66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Digitale Handtherapie verbessert die postoperative Fingerbeweglichkeit nach Handverletzungen: Validierung in einem erweiterten randomisierten Kollektiv
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Fragestellung: Eine frühzeitige und ausreichend intensive Rehabilitation ist für das funktionelle Ergebnis nach Handverletzungen essenziell. Gleichzeitig erschweren begrenzte therapeutische Ressourcen zunehmend eine zeitnahe postoperative Nachbehandlung. Gerade deshalb kommt dem eigenständigen Heimtraining mit ausreichender Übungsfrequenz und hoher patientenseitiger Motivation eine zentrale Bedeutung zu. Vor diesem Hintergrund wurde untersucht, ob sich die funktionellen Vorteile einer smartphone-basierten Handtherapie-App in einem erweiterten randomisierten Patientenkollektiv bestätigen lassen.
Methodik: In einer monozentrischen, prospektiven, offenen, randomisierten kontrollierten Folgestudie wurden 163 postoperative Patientinnen und Patienten nach Frakturen und Sehnenverletzungen der Hand eingeschlossen (38 ± 15 Jahre; 121 männlich, 42 weiblich). Die Teilnehmenden wurden einer Kontrollgruppe (KG, n = 81) mit alleiniger Standardtherapie (standard of care, SoC) oder einer Interventionsgruppe (IG, n = 82) zugeteilt, die zusätzlich eine smartphone gesteuerte Handtherapie-App nutzte. Beide Gruppen erhielten über 12 Wochen eine standardisierte handtherapeutische Behandlung. Zu den Zeitpunkten 2 Wochen (T1), 6 Wochen (T2) und 12 Wochen (T3) wurden die Fingerbeweglichkeit (Range of Motion, ROM), der Fingerkuppenhohlhand- (FKHA) sowie der Fingerkuppentischabstand (FKTA) standardisiert erhoben. Die Analyse der Veränderungen gegenüber Baseline erfolgte mittels Mixed Model for Repeated Measures (MMRM).
Ergebnisse: Die IG zeigte über den gesamten Beobachtungszeitraum konsistent stärkere funktionelle Verbesserungen als die KG. Für die Gesamtbeweglichkeit der Finger (ROM) bestanden bereits in frühen Rehabilitationsphasen numerische Vorteile mit mittleren Effektstärken (T1: p = 0,072; d = 0,64; T2: p = 0,117; d = 0,56). Nach 12 Wochen war die Verbesserung in der IG signifikant größer als in der KG (mittlere Differenz 27,13°; 95%-KI 8,63–45,63; p = 0,004; d = 1,03). Auch für den FKHA ergaben sich über alle Messzeitpunkte stärkere Verbesserungen zugunsten der IG mit überwiegend mittleren Effektstärken (T1: p = 0,057; d = -0,74; T2: p = 0,204; d = -0,50; T3: p = 0,117; d = -0,61). Für den FKTA zeigte sich bereits nach 2 Wochen ein signifikanter Vorteil der IG (p = 0,031; d = -0,95). Dieser Unterschied blieb im weiteren Verlauf mit anhaltend mittleren bis großen Effektstärken bestehen (T2: p = 0,099; d = -0,73; T3: p = 0,068; d = -0,80).
Schlussfolgerung: Die vorliegenden Daten bestätigen in einem erweiterten randomisierten Kollektiv die Wirksamkeit smartphone-basierter digitaler Handtherapie nach Handverletzungen. Neben einer signifikant verbesserten Gesamtbeweglichkeit zeigen sich insbesondere bereits in frühen Rehabilitationsphasen relevante funktionelle Vorteile. Digitale Therapieanwendungen können die postoperative Nachbehandlung wirksam ergänzen und entwickeln sich zunehmend zu einem wichtigen Baustein einer evidenzbasierten, skalierbaren und ressourcenschonenden Versorgung.



