66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Von der Defektdeckung zur funktionellen Resthand: Rekonstruktive Strategien bei komplexen Amputationsverletzungen der Hand
Text
Fragestellung: Komplexe Amputations- und Quetschverletzungen der Hand erfordern ein strukturiertes rekonstruktives Vorgehen, um eine funktionelle Resthand zu ermöglichen. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand zweier Fallverläufe den Einfluss von Weichteildeckung und sekundären Rekonstruktionsschritten auf die funktionelle Wiederherstellung darzustellen.
Methodik: Retrospektive Analyse zweier Patienten mit ausgedehnten traumatischen Handverletzungen. Die Behandlung erfolgte stufenweise mittels radikalem Débridement, temporärer Vakuumtherapie (VAC), lokaler bzw. freier Lappenplastik sowie konsekutiven Kontur- und Funktionsoperationen.
Ergebnisse: Ein 37-jähriger Patient mit komplexem Quetschtrauma der rechten Hand (Frakturen der Metacarpalia II–III und Phalangen II–V) wurde nach wiederholten Débridements und Amputationen mittels Muff-Plastik, VAC-Therapie und Spalthaut rekonstruiert. Nach sekundärer Strahlenformung und Vollhautdeckung resultierte eine stabile, funktionelle Greifhand mit kraftvollem Resthandschluss; der Patient ist mit angepassten Handschuhen arbeitsfähig, eine Prothesenanpassung ist aktuell in Arbeit.
Ein 23-jähriger Patient erlitt eine traumatische Amputation der Finger II–V bis zu den Grundphalangen mit ausgeprägtem Décollement bis zum Handgelenk reichend. Nach radikalem Débridement und VAC-Therapie erfolgte die Defektdeckung mittels freier ALT-Lappenplastik und Spalthaut. Im weiteren Verlauf wurden lappenbedingte Verbindungen getrennt, die erste Zwischenfingerfalte mittels Transpositionslappen rekonstruiert sowie Lappenausdünnungen durchgeführt. Nach zuletzt erfolgter Lappenausdünnung befindet sich der Patient aktuell in der Rehabilitation; eine prothetische Versorgung ist vorgesehen.
Schlussfolgerung: Die frühzeitige, belastbare Weichteildeckung ist die entscheidende Voraussetzung für eine erfolgreiche funktionelle Handrekonstruktion. Erst durch sekundäre Strahlenformung, Konturoperationen und Lappenausdünnung lassen sich Greiffunktion und Kraftschluss gezielt verbessern. Die vorgestellten Verläufe zeigen, dass auch bei ausgedehnten Defekten durch ein konsequent stufenweises Vorgehen eine funktionelle Resthand mit relevanter Alltags- und Arbeitsfähigkeit erreicht werden kann. Aus unserer Sicht sollte daher, sofern technisch möglich, der Erhalt und die Rekonstruktion eigener Strukturen gegenüber einer primären Amputation mit prothetischer Versorgung bevorzugt werden.



