66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
66. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Handchirurgie
Das digitale Chondrosarkom – diagnostischer Fallstrick in der Handchirurgie
Text
Fragestellung: Maligne Tumoren der Finger stellen aufgrund ihrer Seltenheit eine diagnostische und therapeutische Herausforderung für den Handchirurgen dar. Digitale Chondrosarkome können trotz moderner Bildgebung und initial benigner Histologie klinisch relevant fehlinterpretiert werden. Dies kann die definitive onkologische Therapie verzögern.
Methodik: Wir berichten über eine 61-jährige Patientin mit einer seit fünf Monaten progredienten Raumforderung des linken Zeigefingergrundgliedes bei zuvor langjährig stabilem Verlauf. Klinisch bestanden Schmerzen, eine zunehmende Funktionseinschränkung sowie eine aufgehobene Beugung im PIP-Gelenk. Röntgen und MRT ergaben den Verdacht auf ein exophytisch wachsendes Enchondrom. Die Biopsie zeigte ein Enchondroma protuberans ohne Anhalt für Malignität. Aufgrund der klinischen Progredienz und der ausgeprägten Symptomatik erfolgte eine operative Tumorextirpation mit Spongiosaplastik zum Längenerhalt.
Abbildung 1 [Abb. 1] Abbildung 1: Röntgenbildgebung Chondrosarm Zeigefinger links
Ergebnisse: Die Referenzpathologie ergab ein hochgradiges Chondrosarkom (pT1 pNX L0 V0 Pn0 R1 G3). Nach unauffälligem Staging wurde eine Strahlresektion des Zeigefingers durchgeführt. Weder die präoperative Bildgebung noch die initiale Biopsie erlaubten eine sichere Dignitätsbeurteilung; die definitive Diagnose wurde erst durch die komplette Resektion und weiterführende histopathologische Aufarbeitung gestellt. Nach R0-Resektion zeigte sich ein komplikationsloser Verlauf mit gutem funktionellem Ergebnis. Im Follow-up bestand ein vollständiger Faustschluss bei regelrechter Daumenopposition (Kapandji-Index 10), zudem konnte die Patientin ihre berufliche Tätigkeit wiederaufnehmen.
Abbildung 2 [Abb. 2]
Schlussfolgerung: Digitale Chondrosarkome können trotz unauffälliger Bildgebung und initial benigner Histologie vorliegen. Bei klinischer Progredienz und symptomatischen Läsionen sollte daher die Indikation zur operativen Exploration und/oder erneuten histologischen Sicherung großzügig geprüft werden. Die klinische Dynamik bleibt in solchen Fällen ein wesentlicher Faktor für die Therapieentscheidung.




