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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Kleine Endungen, große Effekte? Morphologische Verarbeitung bei Personen mit Cochlea-Implantat – Evidenz aus ereigniskorrelierten Potentialen

Maxi Wollenberg - HNO-Klinik am Universitätsklinikum Dresden, Sächs. Cochlear Implant Centrum & Ear Research Center Dresden, Dresden, Deutschland
Anja Hahne - HNO-Klinik am Universitätsklinikum Dresden, Sächs. Cochlear Implant Centrum & Ear Research Center Dresden, Dresden, Deutschland

Text

Fragestellung: Die Cochlea-Implantat-(CI)-Versorgung ermöglicht Personen mit hochgradiger Hörstörung den Zugang zu Sprache und verbessert damit Teilhabe und Kommunikation erheblich. Dennoch bestehen im Alltag weiterhin Einschränkungen, insbesondere beim Verstehen komplexer sprachlicher Strukturen. Ziel der vorliegenden Studie war es, neurokognitive Prozesse der Grammatikverarbeitung bei Erwachsenen mit CI-Versorgung zu untersuchen.

Methode: An den Untersuchungen haben Personen teilgenommen, die im Erwachsenenalter einen Hörverlust erlitten haben und mit CI-Versorgung ein gutes Sprachverstehen aufwiesen (N=30). Zusätzlich nahm eine altersgematchte Kontrollgruppe mit normalem Hörvermögen (N=29) teil. Im Experiment hörten die Versuchspersonen Sätze, die entweder korrekt waren (z.B. „Die Lehrerin testet den Schüler.“) oder eine morphologische Verletzung enthielten (z.B. „Die Lehrerin testest den Schüler.“). Währenddessen wurde ein Elektroenzephalogramm (EEG) aufgezeichnet und anschließend wurden ereigniskorrelierte Potenziale (EKP) ermittelt.

Ergebnisse: Die Kontrollgruppe zeigte in einem Zeitfenster von 600 bis 1.200 ms nach dem kritischen Stimulus (Verb) für die morphologische Verletzung eine deutliche Positivierung im Vergleich zur korrekten Bedingung (P600-Effekt). Für die Personen mit CI ließ sich deskriptiv ebenfalls eine schwache Positivierung im gleichen Zeitfenster beobachten, jedoch erreichte diese keine Signifikanz.

Schlussfolgerungen: Während die P600-Aktivität bei normalhörenden Erwachsenen einen erhöhten Integrationsaufwand bei morphologischen Fehlern widerspiegelt, deutet das abgeschwächte bzw. ausbleibende Signal bei den Personen mit CI auf eine eingeschränkte Verarbeitung grammatischer Merkmale hin. Das reduzierte Frequenzspektrum der elektrischen Signalübertragung durch das Implantat könnte die Wahrnehmung feiner Flexionsendungen erschweren. Zukünftige Studien sollten weitere Aspekte der Grammatikverarbeitung untersuchen, um technische und rehabilitative Maßnahmen gezielter ableiten und verbessern zu können.