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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Die Wahrnehmung von Tonsequenzen als eigenständige auditorische Ströme steigert ihre Hörbarkeit und Aktivierung im Hörkortex im Vergleich zur Wahrnehmung als Bestandteil eines Multitonmaskierers

Frederic Kistenmacher - Universitätsklinikum Heidelberg, Neurologische Klinik, Heidelberg, Deutschland
Laura Doll - Universitätsklinikum Heidelberg, Neurologische Klinik, Heidelberg, Deutschland
Alexander Gutschalk - Universitätsklinikum Heidelberg, Neurologische Klinik, Heidelberg, Deutschland

Text

Fragestellung: Wenn Zieltonsequenzen innerhalb eines Multitonmaskierers präsentiert werden, hören Probanden die Sequenz oft als eigenen Strom und können den Beginn der Wahrnehmung anzeigen. Mittels Magnetenzephalographie (MEG) konnte gezeigt werden, dass ab diesem Zeitpunkt eine prominente negative Welle im Hörkortex ableitbar ist, die als Awareness-Related Negativity (ARN) bezeichnet wurde [1]. Unklar blieb in diesem Zusammenhang, ob mit diesem Versuchsaufbau die bewusste Wahrnehmung der Töne als solche oder deren Gruppierung in einen auditiven Strom untersucht wurde. Zur Beantwortung dieser Frage verwendeten wir hier ein abgewandeltes Paradigma, in dem die Tonwahrnehmung zweimal abgefragt wurde.

Methoden: Die Zieltonsequenz bestand aus 6 identischen, isochronen Tönen, deren Frequenz jeweils aus 18 möglichen Tönen zwischen 500 und 2.400 Hz gezogen wurde. Die Zieltonsequenzen waren in einen Multitonmaskierer eingebettet, dessen Töne in Frequenz und Zeitpunkt randomisiert wurden. Der minimale Tonabstand zwischen Ziel- und Maskierertönen betrug eine Vierteloktave. Im Anschluss wurde der Zielton als Hinweiston ohne Maskierer wiederholt. In 25% wurde zur Kontrolle nur der Maskierer ohne Zieltonsequenz angeboten, mit einem Hinweiston, der nicht Teil der Gesamtsequenz war. Die Probanden drückten eine Taste, sobald sie die Zieltonsequenz wahrnehmen konnten (Aufgabe 1). Nach Ende der Gesamtsequenz gaben die Probanden per Tastendruck an, ob der Hinweiston Teil der Gesamtsequenz war oder nicht (Aufgabe 2). Die Messdaten wurden mittels MEG erhoben und in Abhängigkeit von der angezeigten Wahrnehmung gemittelt. Die Auswertung der Aktivität im Hörkortex erfolgte mit MNE-Python. Insgesamt nahmen 21 Probanden teil, wovon 2 wegen unzureichender Leistung ausgeschlossen wurden.

Ergebnisse: In Aufgabe 1 wurde in 49% der Durchgänge die Zieltonsequenz wahrgenommen. In Aufgabe 2 wurde in insgesamt 77% richtig erkannt, dass der Hinweiston Teil der Gesamtsequenz war. Wenn die Durchgänge für Aufgabe 2 danach aufgeteilt wurden, ob diese in Aufgabe 1 wahrgenommen wurden, zeigte sich, dass die Hörbarkeit in diesem Fall mit d'=2,3 signifikant höher war als ohne vorherige Wahrnehmung (d'=1,2). Dennoch konnten auch diese Töne eindeutig wahrgenommen werden (Detektionsrate=58%; Fehldetektionsrate=22%). Im MEG zeigte sich eine prominente ARN für Töne, die in Aufgabe 1 detektiert wurden. Die Aktivierung war deutlich kleiner für die anderen Töne, mit einer Tendenz für eine etwas stärkere Aktivierung im rechten Hörkortex, wenn die Tonsequenz nur in Aufgabe 2 korrekt erkannt wurde.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse unterstützen unsere Hypothese, dass die ARN und die Wahrnehmung von wiederholten Tönen unter Multitonmaskierung von der perzeptiven Gruppierung in auditorische Ströme abhängt [2], [3]. Auch nicht gruppierte Ströme können aber, vermutlich als Teil der Maskierertonwolke, wahrgenommen werden, jedoch mit einem deutlich niedrigeren d'.


References

[1] Gutschalk A, Micheyl C, Oxenham AJ. Neural correlates of auditory perceptual awareness under informational masking. PLoS Biol. 2008 Jun 10;6(6):e138. DOI: 10.1371/journal.pbio.0060138
[2] Kidd G Jr, Mason CR, Deliwala PS, Woods WS, Colburn HS. Reducing informational masking by sound segregation. J Acoust Soc Am. 1994 Jun;95(6):3475-80. DOI: 10.1121/1.410023
[3] Gärtner K, Gutschalk A. Auditory cortex activity related to perceptual awareness versus masking of tone sequences. Neuroimage. 2021 Mar;228:117681. DOI: 10.1016/j.neuroimage.2020.117681