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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Richtungshörtraining bei einseitig ertaubten CI-Trägern

Willem Alexander Klatt - Ruhr-Universität Bochum, Institut für Kommunikationsakustik, Bochum, Deutschland
Kirsten Oberländer - Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Klinikum Bochum, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, CI-Zentrum Ruhrgebiet, Bochum, Deutschland
Rainer Martin - Ruhr-Universität Bochum, Institut für Kommunikationsakustik, Bochum, Deutschland
Christiane Völter - Ruhr-Universität Bochum, Katholisches Klinikum Bochum, Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, CI-Zentrum Ruhrgebiet, Bochum, Deutschland

Text

Einleitung: Richtungshören ist eine wichtige Fähigkeit, die der Orientierung im Alltag dient. Bei einseitig ertaubten Menschen, die postlingual mit einem Cochlear-Implantat (CI) versorgt wurden, ist diese Fähigkeit auch nach der Implantation noch immer eingeschränkt und muss durch gezieltes Training wieder erlernt werden. Ziel der vorliegenden Studie war es, zu prüfen, ob und in welcher Weise sich die Lokalisationsfähigkeit von SSD CI-Trägern durch Training verbessert. Daneben sollen mögliche Faktoren, die den Trainingseffekt beeinflussen, untersucht werden.

Methode: 20 erwachsene, postlingual einseitig ertaubte CI-Träger (10 Frauen; 10 Männer; Durchschnittsalter = 53,8 ± 13,3 Jahre; Ertaubungsdauer = 106 ± 181 Monate, CI-Erfahrung = 22 ± 21 Monate) erhielten ein 4-wöchiges Training à 2 Sitzungen pro Woche mit realen Geräuschen als Stimuli in der Anordnung nach Van de Heyning mit 7 äquidistant im Halbkreis angeordneten Lautsprechern. Unmittelbar vor und nach dem Training sowie 3 Monate danach wurde das Richtungshörvermögen bestimmt. Neben einer statistischen Auswertung der Prä- und Posttestdaten unter Berücksichtigung von Alter, Geschlecht und Tinnitusbelastung (MiniTF12 Score) wurde auch ein Trainingsscore entwickelt, mit welchem sich die Veränderung des Richtungshörvermögens über die Dauer des Trainings analysieren lässt.

Ergebnisse: Allgemein lässt sich eine Verbesserung der Richtungshörfähigkeit beobachten, vor allem bei frontalen Stimuli aus -30°, 0° (p<0,05), bzw. 30° (p<0,01) Einfallsrichtung. Im Detail fand sich ein signifikanter Trainingsgewinn besonders bei Personen (n=10) mit einem Prätest-RMSE-Wert, der größer als 40° ist. Außerdem profitierten Personen über 60 Jahren (p = 0,037) sowie Frauen (p = 0,049) signifikant besser vom Training. Das Vorhandensein eines starken Tinnitus hatte lediglich zu Beginn des Trainings einen signifikanten Einfluss auf die Richtungshörfähigkeit (p = 0,048). Ein periodisches Verhalten des Scores in der zweiten Hälfte des Trainings lässt darauf schließen, dass sich Probanden an die zunehmende Trainingsschwierigkeit anpassen können. Auch 12 Wochen nach dem Training wurde bei allen Probanden ein Richtungshörvermögen gemessen, welches dem des Posttests entsprach (p=0,61).

Diskussion/Ausblick: Die Fähigkeit zum Richtungshören lässt sich bei CI-Patienten durch ein 4-wöchiges Training auch im Langzeitverlauf signifikant verbessern, wobei das Ausmaß des Trainingseffektes neben der allgemeinen Fähigkeit zum Richtungshören auch durch andere Faktoren, wie das Alter, Geschlecht oder die Tinnitusstärke beeinflusst wird. Mit Hilfe des Scores lassen sich Änderungen der Richtungshörfähigkeit für die individuellen Trainingssitzungen erkennen. In einer Folgestudie soll untersucht werden, ob das verbesserte Richtungshörvermögen auf einer verbesserten Wahrnehmung von interauralen Pegel- bzw. Zeitunterschieden (ILD bzw. ITD) beruht.