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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Intracochleäre und intraneurale intraoperative Stimulation des menschlichen Hörnervs zur Messung auditorischer Hirnstammantworten

Karl-Heinz Dyballa - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
Waldo Nogueira Vazquez - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
Amir Samii - International Neuroscience Institute, Hannover, Deutschland
Rolf Salcher - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
Max Timm - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland
Meredith Adams - University of Minnesota, Minneapolis, MN, USA
Hubert Lim - University of Minnesota, Minneapolis, MN, USA
Thomas Lenarz - Medizinische Hochschule Hannover, Hannover, Deutschland

Text

Fragestellung: Mit mehreren Instituten und Medizintechnikunternehmen evaluieren wir zurzeit eine direkte Stimulation des menschlichen Hörnervs mittels einer neuartigen elektrischen Hörprothese: das Auditory Nerve Implant (ANI). Dieses stimuliert mit einem penetrierenden Elektrodenträger, der direkt in den Hörnerv eingestochen wird [1]. In intraoperativen Akutexperimenten konnten wir nachweisen, dass auditorische Hirnstammantworten bei deutlich niedrigeren Schwellwerten als bei einem Cochlea-Implantat ausgelöst werden können. Dem vorausgegangen sind Versuche mit Katzen sowie Computersimulationen, die zu den gleichen Ergebnissen kamen [2]. Zudem wollten wir zeigen, dass der Hörnerv durch das Einstechen nicht beeinträchtigt wird. Die Studie mit n = 9 ist jetzt abgeschlossen.

Methoden: Es nahmen Patienten teil, die aufgrund einer Akustikusneurinomentfernung operiert wurden. Bei diesem Eingriff werden die Cochlea und der Hörnerv freigelegt, was für unsere Messungen genutzt werden konnte.

Zunächst wurde eine intracochleäre Stimulation mit einer Testelektrode durchgeführt und auditorische Hirnstammantworten auf der Schädeloberfläche abgeleitet. Darauffolgend wurde ein 15-kanaliger penetrierender Elektrodenträger (Basisfläche 1 x 2 mm) in den Hörnerv direkt inseriert und über einzelne Elektroden bei unterschiedlichen Stromstärken stimuliert. Aus den Messergebnissen konnte dann für jede Elektrode eine Wachstumsfunktion erstellt werden.

Ergebnisse: Die Messergebnisse zeigen, dass bei deutlichen Hirnstammantworten durch intracochleäre Stimulation auch deutliche Antworten durch intraneurale Stimulation erzeugt wurden. Dabei wies die intraneurale Stimulation teilweise um den Faktor 10 niedrigere Schwellwerte auf. Zu beachten ist, dass die Hörnerven durch die Tumore und deren Entfernung bereits stark in ihrer funktionellen Integrität beeinträchtigt waren.

Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Stimulationsfähigkeit durch das Einstechen des Elektrodenträgers in den Hörnerv nicht beeinträchtigt wird. Als Nächstes werden wir eine klinische Studie durchführen, in der mehrere Patienten chronisch mit einem vollständigen ANI versorgt werden. Im wachen Patienten können dann mittels psychophysischer Experimente zum Beispiel die mögliche temporale oder spektrale Auflösung bestimmt werden.

Abbildung 1 [Abb. 1]

Abbildung 1


References

[1] Lenarz T, Solzbacher F, Rieth L, Leber M, Adams ME, Salcher R, Warren DJ, Oxenham AJ, Dyballa KH, Samii A, Franklin RK, Nogueira W, Sondh I, Heiller AP, Crew JD, Huebner K, Strahl S, Holman HA, Johnson LA, Ghose GM, Thomas WM, Batsoulis C, Hochmair I, Feng L, Lim HH. Correction: The auditory nerve implant-concept and device description of a novel electrical auditory prosthesis. Bioelectron Med. 2025 Dec 29;11(1):31. DOI: 10.1186/s42234-025-00197-2
[2] Thomas WM, Zuniga SA, Sondh I, Leber M, Solzbacher F, Lenarz T, Lim HH, Warren DJ, Rieth L, Adams ME. Development of a feline model for preclinical research of a new translabyrinthine auditory nerve implant. Front Neurosci. 2024 Feb 6;18:1308663. DOI: 10.3389/fnins.2024.1308663