28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.
Einfluss optimierter Lautheitswahrnehmung auf das Sprachverstehen im Störschall
Text
Im Bereich der Hörgeräteanpassung gelten prädiktive Anpassformeln, insbesondere NAL-NL2, als wissenschaftlich fundierter Standard für die Voreinstellung. NAL-NL2 wurde mit Hilfe von psychoakustischen Modellen sowie umfangreichen klinischen Daten entwickelt und berücksichtigt neben der Reintonhörschwelle auch Faktoren wie Alter, Geschlecht, und Hörerfahrung. Ziel dieser Anpassformel ist die Vorgabe einer frequenzabhängigen Verstärkung, die das Sprachverstehen maximiert und gleichzeitig das Erreichen der Zone der unangenehmen Lautheit vermeidet. Die NAL-NL2 basierte Voreinstellung erzeugt in der Regel eine Grundlage für die Erstanpassung von Hörsystemen und stellt aufgrund der vielfachen Anwendung in der Praxis den aktuellen Stand der Technik dar; weltweit ist NAL-N 2 das am häufigsten genutzte präskriptive Hörgeräte-Anpassverfahren.
Lautheitsbasierte Methoden ermöglichen eine individuelle Hörgeräte-Anpassung, da sie patientenspezifische Unterschiede in der Lautheitswahrnehmung berücksichtigen, die durch das Reintonaudiogramm nicht erfasst werden können. Besonders in komplexen Hörsituationen oder bei zu einer Hyperakusis neigenden Patienten lassen sich daher erheblich verbesserte Ergebnisse hinsichtlich des Hörkomforts erzielen.
Erste Untersuchungen deuten darauf hin, dass eine Anpassung mit dem die binaural breitbandige Lautheitssummation berücksichtigenden trueLOUDESS-Verfahren ein mit NAL-NL2 vergleichbares Sprachverstehen im Störschall erzeugt, obwohl die Kompression teilweise deutlich erhöht bzw. die Verstärkung für hohe Eingangspegel (G80) geringer eingestellt wurde.
Das in der hier vorgestellten Studie adressierte revoloud Verfahren bietet die Möglichkeit, eine Messung der Lautheitswahrnehmung mit Hörgeräten in Trageeinstellung vorzunehmen. Revoloud beruht ebenfalls auf dem Prinzip der kategorialen Lautheitsskalierung und ist als Überprüfungsmethode sowohl für lautheitsbasierte Anpassverfahren wie LPFIT oder trueLOUDNESS als auch für hörschwellenbasierte Verfahren wie NAL-NL2 geeignet.
Das Ziel des Vorhabens ist es daher, durch die Anwendung von revoLoud in der Praxis zu prüfen, ob durch eine auf eine „grüne Lautheitskarte“ optimierte Einstellung das Sprachverstehen im Störschall tatsächlich verbessert- oder zumindest nicht verschlechtert.
Hierzu werden beide Hörgeräteeinstellungen mittels Oldenburger Satztest überprüft.
References
[1] Kreikemeier S, et al. Lautheitsbasierte Hörgeräteanpassung mit instantanem Insitu-Perzentil-Monitoring. 2011.[2] Oetting D, Hohmann V, Appell JE, Kollmeier B, Ewert SD. Spectral and binaural loudness summation for hearing-impaired listeners. Hear Res. 2016 May;335:179-192. DOI: 10.1016/j.heares.2016.03.010
[3] Denk F, Oetting D, Latzel M, Bonsel H, Husstedt H. Prevalence of excess binaural broadband loudness summation in the hearing-impaired population and implications for hearing aid gain targets. PLoS One. 2025 Aug 29;20(8):e0330517. DOI: 10.1371/journal.pone.0330517
[4] Kramer F, et al. Speech intelligibility and loudness perception with the trueLOUDNESS fitting rule. In: DAGA 2020 Hannover. 2020.



