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28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

CI-Anpassparameter bei Kindern mit schwerer Zusatzbehinderung

Yvonne Seebens - Hör- und Sprachförderung Rhein-Main gGmbH, CIC Rhein-Main, Friedberg, Deutschland
Silke Helbig - Universitätsklinikum Frankfurt, Klinik für Hals-, Nasen- und Ohrenheilkunde, Frankfurt a. M., Deutschland
Dennis Metzeld - Hör- und Sprachförderung Rhein-Main gGmbH, CIC Rhein-Main, Friedberg, Deutschland

Text

Ziel: Das Ziel dieser Studie war es zu untersuchen, ob sich die Anpassungsdaten von Kindern mit Cochlea-Implantaten (CI) und schweren zusätzlichen Behinderungen (CAD) von denen von Kindern mit CI, aber ohne zusätzliche Behinderungen (CnonAD) unterscheiden.

Methoden: In dieser retrospektiven Analyse wurden 76 CI-Fälle (versorgte Ohren) mit CAD einbezogen und mit 76 Fällen ohne zusätzliche Behinderungen abgeglichen. Die subjektiven Einstellwerte wie Pulsbreite (PW), threshold (T) und most comfortable (MC) Level wurden verglichen. Zusätzlich wurden die Schwellen mittels Reaktionsaudiometrie, die Werte der intracochleären Elektrodenimpedanzen, die eCAP-Schwellen sowie die tägliche Tragedauer unter Verwendung des Data-Loggings gegenübergestellt.

Ergebnisse: Die T- und MC-Werte für die MED-EL-Implantate waren in der Stichprobe signifikant niedriger als in der Kontrollgruppe. Ein ähnlicher Trend war bei Cochlear®-Implantaten zu beobachten. Die Stichprobe zeigte eine positive Korrelation zwischen den eCAP-Schwellenwerten sowie dem T- und MC-Level bei den Cochlear®-Implantaten. Die CAD-Gruppe wies eine signifikant höhere Schwelle in der Reaktionsaudiometrie auf. Im Gegensatz zur CnonAD-Gruppe (0%) gab es in der CAD-Gruppe insgesamt 18% mit einer reduzierten täglichen Tragedauer. Wenn diese ausgeschlossen wurden, waren die eCAP-Schwellenwerte in der CAD-Gruppe signifikant höher. Darüber hinaus gab es eine Tendenz, dass die eCAP-Schwellenwerte höher waren, wenn das kontralaterale Ohr nicht ebenfalls mit einem CI versorgt war.

Schlussfolgerungen: Die signifikant höheren eCAPs bei CAD lassen sich u.a. durch unterschiedliche neuronale Strukturen erklären. Die Subjektivität des Audiologen muss als potenzielles Risiko, aber auch als Chance betrachtet werden, die zur Varianz der Anpassungsparameter und -ergebnisse beiträgt. Eine bessere Anpassung der T- und MC-Werte mit Fokus auf der Verhaltensbeobachtung kann zu einer längeren Tragedauer führen. Zur Unterstützung des Audiologen und des Anpassungsprozesses ist es notwendig, die audiometrischen Reaktionsschwellen vor dem Hintergrund der medizinischen Diagnose zu interpretieren und Beobachtungen aus dem Alltag zu berücksichtigen. Um eine optimale Entwicklung von CAD-Kindern entsprechend ihren individuellen Fähigkeiten zu gewährleisten, sollte ein multiprofessionelles, familienzentriertes Interventionsprogramm einschließlich Videoanalysen frühzeitig, idealerweise bereits ab dem Entscheidungsprozess für ein Cochlea-Implantat, umgesetzt werden.