Logo

28. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie e. V.

Deutsche Gesellschaft für Audiologie e. V.
04.-06.03.2026
Oldenburg

Meeting Abstract

Ohrnahe Sensorik und klinische Anwendung

Johannes Kreuzer - cosinuss°, München, Deutschland

Text

Die hochpräzise Überwachung von Vitalparametern spielt eine zentrale Rolle in der modernen Medizin. Ohrnahe Sensorik in miniaturisierten In-Ear-Wearables bietet einen vielversprechenden, nicht-invasiven Ansatz. In diesem Beitrag werden die Vorteile des Messortes sowie die technischen und regulatorischen Anforderungen erörtert sowie konkrete Anwendungsbeispiele präsentiert.

Vorteile der ohrnahen Sensorik

Messort und messtechnische Vorteile

Der äußere Gehörgang ist ein stabiler und gut durchbluteter Bereich, ideal für die kontinuierliche Erfassung. Wichtige messbare Vitalparameter sind:

  • Körperkerntemperatur: Hohe Präzision durch die Nähe zum Hypothalamus.
  • Pulsfrequenz, SpO₂ und HRV: Optische Messungen mittels Photoplethysmographie (PPG) sind im Gehörgang vor Umgebungslicht geschützt, was die Zuverlässigkeit erhöht, selbst bei schlechter peripherer Durchblutung.
  • Atemfrequenz: Ableitung aus Rohdaten vervollständigt die Messungen.
  • Akzeptanz: Als bereits akzeptierte Wearables fördern sie die Nutzung.

Technische und regulatorische Voraussetzungen

Die breite klinische Anwendung setzt strenge Standards voraus:

  • Miniaturisierung und Edge-Computing: Sensoren müssen klein und energieeffizient sein, mit leistungsstarken Edge-Computing-Fähigkeiten zur Verarbeitung der Rohdaten.
  • Datenmanagement und Konnektivität: Zuverlässige, drahtlose Übertragung und eine sichere Backend-Architektur sind nötig.
  • Medizinprodukt-Zertifizierung: Produkte müssen die Anforderungen der MDR oder FDA erfüllen und umfassend klinisch validiert werden, swoie entsprechend der Risikoklasse IIa oder höher zugelassen werden.

Anwendungen in verschiedenen Phasen der Patientenversorgung

Die Technologie ermöglicht durchgehende Patientenüberwachung, die Effizienz und Sicherheit steigert.

Präklinik:

In kritischen Umgebungen liefert ohrnahe Sensorik lebensrettende Daten:

  • Einsatz unter Extrembedingungen: Ideal für Rettungsdienste und Notaufnahmen.
  • Mobile Frühwarnsysteme: Echtzeitüberwachung erkennt sich ändernde Zustände und benachrichtigt das Personal schnell.
  • Post-Klinik:
  • Diskrete Überwachung fördert Genesung und das Management chronischer Erkrankungen:
  • Telemonitoring: Grundlage für Fernüberwachungsprogramme nach Entlassung.
  • Chronisches Krankheitsmanagement: Kontinuierliche Datenerfassung liefert objektive Einblicke in den Gesundheitszustand.

Anwendungen in der Klinik:

Die Technologie entlastet das Pflegepersonal und erhöht die Patientensicherheit:

  • Kontinuierliches Monitoring: Ersetzt manuelle Messungen und ermöglicht eine frühzeitige Erkennung von Verschlechterungen.
  • Integrierte Dokumentation: Automatische Datenübertragung verbessert die Effizienz der Pflegedokumentation.

Fazit: Die ohrnahe Sensorik ist entscheidend für die Digitalisierung der Patientenüberwachung. Sie kombiniert hochpräzise Messqualität mit Benutzerfreundlichkeit und Eignung für verschiedene Umgebungen und setzt somit neue Standards in der prädiktiven Telemedizin.