27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie und Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen, Neurootologen und Otologen
27. Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Audiologie und Arbeitstagung der Arbeitsgemeinschaft Deutschsprachiger Audiologen, Neurootologen und Otologen
DiCoDi: Eine tabletgestützte kognitive Testbatterie für Menschen mit Schwerhörigkeit und Menschen ab 50 Jahren – finale Daten
2KOJ Hearing Research Center, Zug, Schweiz
3Uniklinik Köln/Universität zu Köln, Medizinische Psychologie, Neuropsychologie und Gender Studies & Centrum für Neuropsychologische Diagnostik und Intervention (CeNDI), Medizinische Fakultät und Uniklinik Köln, Köln, Deutschland
4Bergische Universität Wuppertal, Institut für Psychologie, Wuppertal, Deutschland
5Uniklinik Köln/Universität zu Köln, Klinik und Poliklinik für Neurologie, Köln, Deutschland
Text
Hintergrund: Häufig eingesetzte Kognitionstests sind meist auditiv basiert und setzen ein intaktes Sensorium voraus, weshalb der kognitive Status von Menschen mit Schwerhörigkeit (SH) nur unzureichend erfasst wird und es unter Umständen zu einer falschen Pathologisierung kommen kann [1]. Mit dem DiCoDi (Digital Cognitive Diagnostic) soll eine tabletgestützte kognitive Testbatterie für Menschen mit SH und Menschen ab 50 Jahren vorgestellt werden.
Methoden: Es wurden insgesamt 377 Personen untersucht, davon 204 Proband*innen in der Kontrollgruppe (KG; Frauen n = 118 (57,8%), Alter M = 67,67 Jahre (SD = 12,2)) und 173 Proband*innen in der Gruppe aus Personen mit SH (Frauen n = 81 (46,8%), Alter M = 72,86 Jahre (SD = 8,7)). Der DiCoDi dauert 30 Minuten und umfasst sieben Subtests sowie eine kognitiv-affektive Selbstevaluation. Alle Items werden visuell und in ausreichender Größe dargeboten. Es kann ein Summenwert von maximal 40 Punkten erreicht werden. Zusätzlich wurde eine umfassende neuropsychologische Testbatterie durchgeführt. Auch wurde die ReTest-Reliabilität in einer KG (n = 71) im Mittel nach 6 Wochen bestimmt.
Ergebnisse: Tabelle 1 [Tab. 1] zeigt die deskriptive Statistik und die Ergebnisse der ANCOVAs in den DiCoDi-Subtests. Die Cut-Off-Werte wurden basierend auf der deskriptiven Statistik der KG und nach Kriterien der Augenscheinvalidität bestimmt (Tabelle 2 [Tab. 2]). Die KG gibt ähnlich viele Probleme mit Ermüdung (20,6%) wie die Personen mit SH (21,1%) an, während die Personen mit SH deutlich mehr Gedächtnisschwierigkeiten berichten (55,0% vs. 32,4%). Die DiCoDi-Subtests waren mit den zugehörigen Paper-&-Pencil-Tests signifikant positiv assoziiert (Range: 0,223 – 0,683; p < 0,001; konvergente Validität), während sie nicht mit inhaltsfremden Verfahren korrelierten (p > 0,05; divergente Validität). Die Ergebnisse zur ReTest-Reliabilität zeigen signifikante und hohe Zusammenhänge für alle DiCoDi-Subtests zwischen dem ersten und zweiten Testzeitpunkt (Range: 0,429 – 0,742; p < 0,001), mit Ausnahme des „Farb-Figuren Test“.
Tabelle 1: Deskriptive Statistik und Ergebnisse der ANCOVAs in den DiCoDi-Subtests. Anmerkung: MW = Mittelwert. SD = Standardabweichung. MD = Median. IQ = Interquartilsabstand. ANCOVA mit Alter und Bildung (+ Geschlecht bei Kreishüpfen und Zahlen und Buchstaben sortieren) als Kovariaten. Alpha-Niveau zur Kontrolle der Alphafehler-Kumulierung a priori auf α = 0,010 gesetzt. *Signifikante p-Werte der ANCOVAs.
Tabelle 2: Cut-Off-Werte der DiCoDi-Subtests. Anmerkung: Bestimmung der Cut-Off-Werte basierend auf der deskriptiven Statistik der KG anhand MW und SD und nach Augenscheinvalidität
Schlussfolgerung: Die konvergente und divergente Validität sowie die ReTest-Reliabilität sind gut bis sehr gut. Anhand von Streuung, Häufigkeitsverteilungen und Kriterien der Augenscheinvalidität wurden Cut-Off-Werte definiert.



