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Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin


Meeting Abstract

Funktionelles Outcome bei rhegmatogener Ablatio unter hoher Versorgungspriorität – Real-World-Analyse aus dem VITREACT-Register

Felix Rosanski 1
V.A. Knecht 1
A.F. Blumentritt 1
L. Freisberg 1
B. Müller 1
A.M. Joussen 1
O. Zeitz 1
1Berlin – Klinik für Augenheilkunde, Charité Campus Benjamin Franklin

Text

Ziel: Die rhegmatogene Netzhautablösung stellt einen akuten ophthalmologischen Notfall dar. Während für die Makula-on-Situation weitgehend Konsens zur Dringlichkeit besteht, ist die Dringlichkeit bei Makula-off nach wie vor umstritten. Ziel der Analyse war es, anhand von Real-World-Daten die funktionellen Ergebnisse bei rascher operativer Versorgung binnen 48h in Abhängigkeit vom Makulastatus zu bewerten.

Methoden: Real-World-Daten-Analyse aus dem VITREACT-Register an der Charité Berlin. Eingeschlossen wurden 917 konsekutive Fälle mit primärer rhegmatogener Netzhautablösung. Erfasst wurden demographische Parameter, Linsen- und Makulastatus sowie OP-Verfahren (ppV vs. Eindellende Verfahren ohne ppV, Endotamponaden, kombinierte Phakoemulsifikation). Alle Operationen erfolgten innerhalb von maximal 48 Stunden nach Erstvorstellung. Der Visus wurde in logMAR erhoben und im Verlauf nachkontrolliert.

Ergebnisse: Das mittlere Alter betrug 61±12,3 Jahre, 64,1% der Patienten waren männlich, 35,9% weiblich. 58,2% waren phak, 41,8% pseudophak. Bei 47,5% lag eine Makula-on-, bei 52,2% eine Makula-off-Situation vor. Die chirurgische Versorgung erfolgte überwiegend mittels Pars-Plana-Vitrektomie (90,0%), meist mit SF6-Tamponade (84,5%). Öl-Endotamponaden (Silikonöl 5000cSt und Densiron) wurden in 14,4% eingesetzt, längerkettige Gase (C2F6, C3F8) in 1,1%. In 57,7% der phaken Augen wurde kombiniert mit Phakoemulsifikation. Die Single-Surgery-Success-Rate betrug 95,2%.Der Visus verbesserte sich in der Gesamtpopulation signifikant von 0,49 logMAR (Median; Mittelwert=0,89) auf 0,20 logMAR (Median; Mittelwert=0,39; p<0,0001). Bei Makula-off zeigte sich ein hochsignifikanter Anstieg von 1,30 auf 0,40 logMAR (p<0,0001), während bei Makula-on der Ausgangsvisus erhalten blieb (0,18 auf 0,10 logMAR; p=0,09).

Schlussfolgerung: Ergebnisse des VITREACT-Registers legen nahe, dass eine chirurgische Versorgung innerhalb von maximal 48 Stunden nach Vorstellung bzw. Diagnosestellung zu sehr guten Visusergebnissen führt. Insbesondere bei Makulabeteiligung erholt sich der Visus hoch signifikant und untermauert die Notwendigkeit einer hohen Versorgungspriorität, auch bei Makula-off.