Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025
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Der Einfluss eines intraluminalen Stents auf frühe postoperative Komplikationen und Ergebnisse nach PreserFlo-MicroShunt-Implantation
Text
Einleitung: Die Implantation des PRESERFLO-MicroShunt (PMS) ist ein etabliertes filtrierendes Verfahren zur Behandlung des moderaten bis schweren Glaukoms und ermöglicht die Erreichung niedriger intraokularer Druck (IOD). Im Vergleich zu konventionellen chirurgischen Verfahren bietet der MicroShunt eine geringere Invasivität, schnellere visuelle Rehabilitation und ein günstigeres Sicherheitsprofil. Frühpostoperative Komplikationen wie Hypotonie (IOD<6 mmHg) und Aderhautamotio bleiben jedoch eine relevante Herausforderung. Durch die Verwendung einer nicht-resorbierbaren Naht als intraluminaler Stent kann die Kammerwasserdrainage kontrolliert und eine übermäßige IOD-Senkung mit assoziierten Komplikationen vermieden werden. Ziel dieser Studie ist es, den Einfluss eines intraluminalen Stents auf den postoperativen Verlauf in den ersten 4 Monaten nach PMS-Implantation zu untersuchen.
Methodik: In dieser retrospektiven Analyse wurden insgesamt 25 Augen mit unterschiedlichen Glaukomformen (primäres Offenwinkelglaukom, Pseudoexfoliationsglaukom, Pigmentdispersionsglaukom) eingeschlossen. Bei allen wurde Preserflo MicroShunt PMS implantiert und wurden in 2 Gruppen geteilt: mit intraluminalem Stenting 10.0 Ethelon (M-PMS-Gruppe, n=13) und ohne intraluminales Stenting (O-PMS-Gruppe, n=12). Erfasst wurden der IOD sowie die postoperativen Verläufe nach 1 Tag, 2 Tagen, 1 Woche, 1 Monat und 4 Monaten. Darüber hinaus wurden Komplikationen wie Hypotonie und Aderhautamotio sowie notwendige Reinterventionen dokumentiert.
Ergebnisse: Es wurden 25 Augen eingeschlossen, 12 mit O-PMS und 13 mit M-PMS. Präoperativ waren der IOD (21,90±4,9 vs. 18,46±5,8 mmHg, p>0,05), das Alter (80±9,6 vs. 71,46±8,3 Jahre, p=0,028) sowie die Geschlechtsverteilung (Frauen: 58% vs. 38%, p>0,05; Männer: 42% vs. 62%, p>0,05) zwischen den Gruppen vergleichbar. Postoperativ zeigten sich in der O-PMS-Gruppe im Vergleich zur M-PMS-Gruppe signifikant niedrigere IOD-Werte nach 1 Tag (6,16±2,72 mmHg vs. 9,15±4,25 mmHg; p=0,047) und nach 2 Tagen (6,08±2,77 mmHg vs. 9,61±4,19 mmHg; p=0,021). Nach 7 Tagen bestand in der O-PMS-Gruppe eine Hypotonie (5,91±2,64 mmHg vs. 11,38±6,64 mmHg; p<0,019). Nach 1 Monat (11,67±6,95 mmHg vs. 9,61±4,23 mmHg; p>0,05) und nach 4 Monaten (12,55±10,58 mmHg vs. 8,25±2,63 mmHg; p>0,05) zeigte sich in der O-PMS-Gruppe ein Anstieg des IOD, während die Werte in der M-PMS-Gruppe weitgehend stabil blieben. Die Inzidenz einer postoperativen Hypotonie war in der O-PMS-Gruppe 2,3-fach höher als in der Gruppe mit Stenting (64% vs. 28%; p=0,047). Zudem trat eine Aderhautamotio in der Gruppe ohne Stenting doppelt so häufig auf wie in der Stenting-Gruppe (40% vs. 21%; p=0,047).Ein Reinterventionsbedarf zur Korrektur der postoperativen Hypotonie (z.B. Vorderkammerstellung mit Healon) bestand bei 3 Patienten in der O-PMS-Gruppe und bei keinem Patienten in der M-PMS-Gruppe (25% vs. 0%; p>0,05).
Schlussfolgerung: Das intraluminale Fadenstenting (10-0 Ethilon) stellt eine einfache und effektive Methode dar, um hypotonieassoziierte Komplikationen – insbesondere Aderhautamotio – postoperativ zu reduzieren, ohne die Wirksamkeit zu beeinträchtigen. Um die Eignung anderer Nahtstärken zur verbesserten Prävention der Hypotonie sowie die langfristige Sicherheit und Wirksamkeit dieser Technik zu bewerten sind jedoch weitere Studien mit größeren Fallzahlen erforderlich.



