Logo

Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin


Meeting Abstract

Sehnenverlängerung des Musculus rectus inferior und superior mittels Tutopatch-Sehneninterponat bei der Behandlung einer restriktiven Motilitätseinschränkung im Rahmen der Endokrinen Orbitopathie – eine Fallserie

Cosima Rose 1
B. von Jagow 1
1Eberswalde – Klinik für Augenheilkunde, Werner Forßmann Klinikum

Text

Hintergrund: Die Endokrine Orbitopathie kann neben der entzündungsbedingten Verdickung und Fibrosierung der Muskulatur zu einem Elastizitätsverlust und restriktiver Motilitätseinschränkung mit Diplopie und Kopfzwangshaltung führen. Das operative Vorgehen besteht in der Rücklagerung des betroffenen Muskels. Wir stellen eine Fallserie vor, bei der zum Erreichen der erforderlichen Operationsstrecke eine Sehnenverlängerung notwendig war, die in unserer Klinik mittels Tutopatch-Sehneninterponat (bovines Perikard) erfolgte.

Methodik: Drei Patienten erhielten im Zeitraum von 2021 bis 2025 ein Tutopatch-Sehneninterponat zur Sehnenverlängerung. Bei zwei Patientinnen wurde dann eine Rücklagerung des Musculus rectus inferior und bei einem Patienten eine Rücklagerung des Musculus rectus superior und eine Resektion des Musculus rectus inferior durchgeführt. Retrospektiv wurden präoperative und postoperative Fernschielwinkel, die Bulbusexkursion und das Stereo- und Binokularsehen verglichen. Die Erhebung des orthoptischen Status erfolgte eine Woche, einen Monat und drei Monate nach der Operation.

Ergebnisse: Es konnte postoperativ in allen Fällen eine Reduktion des Fernschielwinkels im Sinne eines Parallelstandes erzielt werden (Patientin 1 präoperativ +VD35^6 Monate postoperativ +-0^, Patient 2 präoperativ +35^ postoperativ +-0^, Patient 3 präoperativ -VD30^ postoperativ +-0^). Daraus resultierte auch ein deutlicher Rückgang der störenden Kopfzwangshaltung. Die Bulbusexkursion war postoperativ in allen drei Fällen im Vergleich zum präoperativen Status gebessert (Patientin 1 mit deutlicher Hebungseinschränkung, Elevation 0,5 mm, postoperativ geringe residuelle Hebungseinschränkung, Patient 2 mit Senkungseinschränkung, Senkung 6 mm, postoperativ kein Senkungsdefizit nachweisbar, Patientin 3 mit Hebungseinschränkung, Elevation 5–8 mm, postoperativ keine Hebungseinschränkung nachweisbar). Eine Cyclorotation war in allen drei Fällen nicht vorhanden. Sowohl das Stereosehen als auch das Binokularsehen wurde bei allen drei Patienten postoperativ positiv getestet.

Schlussfolgerung: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass das Tutopatch-Sehneninterponat für die Sehnenverlängerung zur Behandlung eines Motilitätsdefizites in Kombination mit einer Muskelrücklagerung bei Endokriner Orbitopathie geeignet ist. Das Verfahren ermöglicht die Behandlung von ausgeprägten Vertikaldeviationen, da es große Operationsstrecken bei großen Schielwinkeln ermöglicht.