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Wintertagung der Berlin-Brandenburgischen Augenärztlichen Gesellschaft 2025

Berlin-Brandenburgische Augenärztliche Gesellschaft
05.-06.12.2025
Berlin


Meeting Abstract

Untersuchung zur Sicherheit dreier dreistückiger Intraokularlinsen-Typen nach Sulkus-Implantation

Stefanie Zoll 1
M. Knisch 1
A. Liekfeld 1,2
1Potsdam – Klinik für Augenheilkunde, Klinikum Ernst von Bergmann
2Brandenburg an der Havel – Technische Hochschule Brandenburg

Text

Hintergrund: Es ist nicht immer möglich, eine Intraokularlinse (IOL) in den Kapselsack zu implantieren, zum Beispiel bei Kapseldefekt oder komplexem Ausgangsbefund im Rahmen eines IOL-Tausches. Alternativ kann eine Implantation der IOL in den Sulkus versucht werden. Die Standard-IOL sind nicht primär für die Implantation in den Sulkus vorgesehen, werden jedoch in Sondersituationen dort implantiert. Als mögliche Komplikationen wird u.a. eine Dezentrierung der IOL im Verlauf beschrieben. Es wird angenommen, dass die Konfiguration von Optik und Haptik wesentlichen Einfluss auf den Sitz der IOL im Sulkus hat. Daher haben wir diesbezüglich drei dreistücke IOL-Modelle verglichen und bewertet.

Methode: Im Rahmen einer retrospektiven Studie erfolgte die Auswertung von Patientendaten zwischen 2013 und 2023 nach Implantation einer Intraokularlinse in den Sulkus. Erfasst wurden die Daten von 46 Augen von 42 Patienten im Alter von 9 bis 91 Jahren (im Mittel 66 Jahre). Die Implantation der IOL erfolgte in der Mehrzahl der Fälle primär im Rahmen einer komplizierten Katarakt-Operation mit z.B. Kapseldefekt intraoperativ oder sekundär als IOL-Austausch bei Linsentrübung sowie in einigen Fällen als sekundäre Implantation nach Trauma oder bei kongenitaler Katarakt-Operation. Bei den implantierten IOL-Modellen handelt es sich um die jeweils dreistückigen Akrylfaltlinsen AR40e (Fa. Johnson&Johnson) (30 Augen) und PY60 (Fa. Hoya) (7 Augen) sowie der PN6AS (Fa. Kowa) (9 Augen). Der Nachbeobachtungszeitraum lag zwischen 1,5 und 6 Jahren. Ausgewertet wurde der Sitz der IOL im Sulkus sowie Zeichen einer eventuellen Dezentrierung der IOL. Außerdem wurden Zeichen von Pigmentausschwemmung und etwaiger sekundärer Tensioerhöhung erfasst.

Ergebnisse: Es zeigte sich bei 18 von 28 Augen eine im Sulkus zentrierte IOL nach Implantation einer AR40e in den Sulkus. In den Fällen einer Dezentrierung lag diese bei 8 von 16 Augen unter 0,5 mm, bei 4 von 16 Augen zwischen 0,5 und 1 mm und bei 2 von 19 Augen über 1 mm. Im Verlauf nach Implantation einer PY60 zeigte sich in nur 1 von 7 Fällen eine im Sulkus zentrierte IOL. Bei 3 von 7 Augen lag die Dezentrierung unter 0,5 mm, in 3 von 7 Augen zwischen 0,5 und 1 mm und an 1 Auge war die IOL über 1 mm dezentriert. Nach Implantation einer PN6AS war die IOL in 7 von 9 Augen zentriert und in 2 von 9 Fällen unter 0,5 mm dezentriert. In 22 von 33 Fällen nach Implantation einer IOL in den Sulkus zeigten sich Zeichen der vermehrten Pigmentausschwemmung im Vergleich zum pseudophaken Partnerauge. Insbesondere im kaudalen Kammerwinkel kam es zur vermehrten Pigmentablagerung, jedoch ohne sekundären Tensioanstieg.

Schlussfolgerung: Dreistückige Akrylfaltlinsen eignen sich in Sondersituationen mit defektem Kapselsack zur Sulkus-Implantation und zeigen stabile Langzeit-Ergebnisse. Dabei sollte idealerweise auf IOL mit größerem Gesamtdurchmesser zurückgegriffen werden, da diese einen stabileren Sitz zeigen. Dies sollte ggf. in der Lagerhaltung vom Katarakt-Chirurg:innen bedacht werden. Bei allgemein vermehrter Pigmentausschwemmung nach Implantation einer IOL in den Sulkus empfehlen wir regelmäßige Nachkontrollen mit Erfassung des Augeninnendruckes.