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8. Jahrestagung der Wissenschaftlichen Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien

Wissenschaftliche Fachgesellschaft für Künstlerische Therapien
13.-14.11.2025
Berlin

 
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Meeting Abstract

Umbrella Review Künstlerischen Therapien (KüTh): Eine beeindruckende Fülle von Wirkungsbelegen

Sabine Koch 1,2,3
1SRH Hochschule Heidelberg, Deutschland
2Alanus Hochschule für Kunst und Gesellschaft, Research Institute of Creative Arts Therapies (RIArT), Deutschland
3Faculty of Fine Arts, Creative Arts Therapies Research Unit (CATRU), University of Melbourne, Australien

Text

In den Künstlerischen Therapien steigt die Zahl von Sekundärstudien (Systematische Reviews/Metaanalysen), die die vorliegende Evidenz für bestimmte Krankheitsbilder zusammenfassen exponentiell. In Kooperation mit der WHO und aufbauend auf der ersten Übersicht über die Evidenz der Künste in ihrer Wirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden (Fancourt & Finn, 2019), erstellten wir (International Research Alliance of Creative Arts Therapies) für den Bereich kunstbasierter Interventionen eine übergreifendes Review of Reviews, um Effekte von KüTh auf physische, psychologische, und kognitive Funktionen sowie die Lebensqualität von Menschen zu erfassen.

Methodisch wurden nur Systematische Reviews mit Metaanalysen – also das höchste Evidenzlevel – einbezogen. Durch die Zusammenarbeit mit der WHO –und aus Anlass des UN-Jahres der NCDs – Non-Communicable Diseases, die Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Krebserkrankungen, Diabetes, chronische Atemwegserkrankungen, psychische Erkrankungen und neurologische Störungen umfassen. Das nun vorliegende Umbrella Review untersuchte für diese Behandlungsgruppen, ob es Unterschiede gibt in der Effektivität von Künstlerischen Therapien und Künsten in der Therapie. Aus 310 in der Suche gefundenen Reviews konnten in das Umbrella-Review N=149 Systematische Reviews zur Wirkung von Kunst, Musik, Tanz, Theater und Poesietherapie mit 5000+ extrahierten Effektstärken (N=5763) eingeschlossen werden.

Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Menschen mit NCDs von kunstbasierten Interventionen hinsichtlich ihrer körperlichen, psychischen und kognitiven Funktionen sowie ihrer Lebensqualität profitieren. Daher können kunstbasierte Interventionen eine wertvolle Ergänzung zu traditionellen Behandlungen wie Psychotherapie oder medikamentöse Therapien für NCDs darstellen, oft mit ähnlicher Effektstärke und mit geringen Unterschieden zwischen künstlerischen und künstlerisch-therapeutischen Interventionen. Die Ergebnisse stützen insbesondere die Musiktherapie und die Tanztherapie als hinreichend evidenzbasierte Methoden.

Kunstbasierte Interventionen beeinflussen sowohl die körperliche, kognitive, als auch auf die mentale Gesundheit und Lebensqualität positiv. Dabei wirken beide Interventionsarten, (a) künstlerisch-therapeutische Interventionen, die oftmals im Kontext von schwer beeinträchtigten Patientengruppen zum Einsatz kommen, und (b) künstlerische Interventionen, die häufig im außerklinischen Kontext eingesetzt werden. Angesichts der Tatsache, dass Psychotherapie in jedem fünften Fall abgebrochen wird und in vielen Kulturen mit sozialem Stigma behaftet ist, ist es wünschenswert, Therapien anzubieten, die stärker auf kreativer Aktivität beruhen. Sie können Therapien, die auf funktionalen Übungen, Medikamenteneinnahme und der Verbalisierung von Problemen beruhen, sinnvoll ergänzen oder erweitern. Im kreativen Tun ‚vergessen‘ die Menschen oft ihre Erkrankung und die gesunden Anteile und die Resilienz werden nachhaltig gestärkt (z.B. Koch et al., 2016; Koch et al., 2025). Neuere Studien zeigen zudem, dass die Kosteneffizienz kunstbasierter Interventionen (insbesondere Künstlerischer Therapien) sehr gut ist (s. Culture & Heritage Capital Report 2024). Stärken und Grenzen des Reviews werden diskutiert.