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Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026

Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte
27.-28.02.2026
Dortmund

Meeting Abstract

Therapiemodifikationen beeinflussen das onkologische Outcome nach kombinierter Radiochemotherapie

Gianluca Remondini - Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, plastische Operationen mit Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie, Klinikum Dortmund gGmbH, Dortmund, Deutschland
Claus Wittekindt - Klinik für Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Kopf- und Halschirurgie, plastische Operationen mit Abteilung für Phoniatrie und Pädaudiologie, Klinikum Dortmund gGmbH, Dortmund, Deutschland

Text

Einleitung: Die platinbasierte kombinierte Radiochemotherapie (RCT) ist für Patienten mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren sowohl im definitiven als auch im adjuvanten Setting häufig die Therapie der Wahl. In publizierten Fallserien ist die reduzierte Compliance sowohl bezüglich Strahlentherapie als auch Chemotherapie berichtet, die möglicherweise zu reduziertem Überleben nach der Therapie führt. Ziel dieser Untersuchung war es die Auswirkungen von Therapieverzögerung (Strahlentherapie) oder Dosisreduktion (Chemotherapie) auf die Tumorkontrolle zu untersuchen.

Methoden: Therapiemodifikationen wurden in Form von Dosisreduktion (<200 mg/m2 Cisplatin) für Platingabe und Therapieverzögerung (>9 Wochen Therapiezeit bei definitiver bzw. >8 Wochen bei adjuvanter Therapie) für die Strahlentherapie für alle Patienten mit fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren, die einer RCT ab 2014 bis 2020 im kurativen Setting zugeführt wurden, ermittelt. Anschließend wurde das Überleben mittels Kaplan-Meier-Kurven ausgewertet und Unterschiede in der Tumorkontrolle mittels log rank-Testen verglichen.

Ergebnisse: Bei N=157 auswertbaren Fällen (Mundhöhle: 13/8,3%; Larynx 32/20,4%; Oropharynx 72/45,9%; Hypopharynx 25/15,9%; Nasopharynx: 15/9,6%) erhielten 63 (40,1%) eine adjuvante und 94 (59,9%) eine definitive RCT. In 11/63 (17.5%) vs. 34/94 (36,2%) Fällen konnte die Radiotherapie nicht wie geplant, sondern nur mit Verzögerung durchgeführt werden (adjuvant vs. definitiv). Das mittlere Überleben nach der Therapie war im definitiven Setting bei Therapiemodifikation um 13,9 Monate (43,7 vs. 29,8 Monate; p<0,05) verringert. Im adjuvanten Setting zeigte sich gleichsam ein reduziertes Überleben jedoch ohne Erreichung des Signifikanzniveaus. Bezüglich der Chemotherapie wurden konnten 200mg/m2 Cisplatin nur in 44/80 (55%) bei definitiver RCT und 13/48 (27,1%) bei adjuvanter RCT appliziert werden. Es konnte sowohl im adjuvanten als auch im definitiven Setting kein signifikanter Überlebensvorteil beim Erreich der Schwellendosis herausgearbeitet werden.

Diskussion: Therapiemodifikationen sind bedeutsam wegen der hohen Zahl von Kopf-Hals-Tumorpatienten die nicht protokollgerecht in der kombinierten RCT behandelt werden. Die protokollgerechte Radiotherapie scheint dabei einen viel stärkeren Einfluss auf das onkologische Outcome zu haben als das Erreichen der 200 mg Cisplatin-Schwellendosis. Dies ist bei der Kombinationstherapie ggf. zu berücksichtigen - unsere Daten können vorsichtig dahingehend interpretiert werden, dass bei Nebenwirkungen der RCT eher die Chemotherapie reduziert werden sollte als die Strahlentherapie pausiert.