Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Intraoperative Tumorarealvisualisierung großer Kopf-Hals-Tumoren zur Optimierung der strahlentherapeutischen Therapieplanung
Text
Einleitung: Maligne Kopf-Hals-Tumore erfordern häufig eine adjuvante oder primäre Radiotherapie. Aufgrund der anatomischen Nähe zu funktionell entscheidenden Strukturen wie Speicheldrüsen, Schluck- und Stimmapparat stellt die präzise Zielvolumenbestimmung eine besondere Herausforderung dar. Postradiogene Folgen wie Xerostomie und Dysphagie können die Lebensqualität der Patientinnen und Patienten erheblich beeinträchtigen. Eine möglichst exakte, individualisierte Strahlenplanung ist daher wegweisend, um suffiziente onkologische Therapie mit funktioneller Schonung zu vereinbaren.
Methoden: Zur verbesserten intra- und postoperativen Abgrenzung der Tumorausdehnung wurde im Rahmen der Panendoskopie neben klinischer Evaluation der Tumorausdehnung eine intraoperative Tumorkennzeichnung mittels des BioXmark®-Kontrastmittels vorgenommen. Dabei erfolgte die Applikation an mindestens vier definierten Lokalisationen entlang der Tumorperipherie, insbesondere bei streng lateralisierten einseitigen Tumoren. Unmittelbar postoperativ wurde eine CT-Simulation des Schädels und Halses (CT-SH) als Planungsbildgebung für die Strahlentherapie durchgeführt. Die Sichtbarkeit der Kontrastmitteldepots und die Abgrenzbarkeit der Tumorausdehnung zu angrenzenden sensiblen Strukturen wurden qualitativ beurteilt.
Ergebnisse: Die intraoperativ gesetzten Kennzeichnungen zeigten eine gute und stabile Sichtbarkeit in der postoperativen Planungsbildgebung. Insbesondere in Beziehung zu komplexen anatomischen Regionen wie der Schädelbasis oder bei Mittellinienüberschreitung konnte die anatomische Orientierung verbessert und das Zielvolumen präziser definiert werden. Artefakte oder klinisch relevante Nebenwirkungen durch das injizierte Material traten nicht auf.
Diskussion: Mit der intraoperativen Tumorarealvisualisierung großer Kopf-Hals-Tumoren mittels BioXmark® konnte eine praktikable und reproduzierbare Methode etabliert werden, die eine präzisere Strahlenplanung ermöglicht. Die Technik bietet Potenzial zur Reduktion von Planungsunsicherheiten und damit zur Schonung funktionell entscheidender Strukturen. Ob sich diese verbesserte Zielvolumendefinition in einem verbesserten onkologischen Outcome und einer geringeren Strahlenmorbidität widerspiegelt, muss in weiteren Untersuchungen evaluiert werden.



