Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Vermessung der oberen Atemwege mittels dental-dedicated 0,55-T-MRT: Ein neuer Standard für die funktionelle Diagnostik in der Schlafmedizin
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Einleitung: Die obstruktive Schlafapnoe (OSA) ist eine häufige Erkrankung in den Bereichen HNO, MKG und Schlafmedizin. Für die individualisierte Therapieplanung ist eine präzise, strahlenfreie Vermessung der oberen Atemwege wünschenswert. Das neuentwickelte dental-dedicated MRI (ddMRI) mit einer Feldstärke von 0,55T und dentaler Oberflächenspule bietet eine hohe Weichteilkontrastauflösung bei kurzer Untersuchungsdauer und eignet sich damit ideal zur funktionellen Darstellung der Atemwege.
Methoden: Im schlafmedizinischen Zentrum der Klinikum Dortmund gGmbH wurde ein standardisiertes ddMRI-Protokoll zur Vermessung des velopharyngealen und oropharyngealen Atemwegs etabliert. Untersucht werden Patientinnen und Patienten mit OSA sowie schnarchende Kontrollen in definierten Kiefer- und Zungenpositionen. Die Sequenzsteuerung erfolgt überwiegend über einen Autopilot-Workflow, der Lagekontrolle, Feldhomogenisierung und Auswahl der Messsequenzen automatisiert und damit Bedienfehler reduziert. Die Atemwege werden semi-automatisch segmentiert und volumetrisch sowie anhand minimaler Querschnittsflächen und anteroposteriorer Durchmesser quantifiziert; zusätzlich werden kraniofaziale Landmarken zur Reproduzierbarkeit herangezogen.
Ergebnisse: Die ddMRI-Aufnahmen zeigen eine sehr gute Visualisierbarkeit der relevanten Weichgewebsstrukturen (Zunge, weicher Gaumen, Pharynxwände) und ermöglichen eine reproduzierbare Vermessung des Atemwegslumens ohne Artefakte durch Metallzähne oder ausgeprägte Lagerungsvariabilität. Die kurzen Akquisitionszeiten und der Autopilot-gestützte Workflow ermöglichen die Integration der Untersuchung in die klinische Routine des interdisziplinären Schlafzentrums und erleichtern die Korrelation mit polysomnographischen Parametern sowie therapeutischen Interventionen.
Diskussion: Die Vermessung der oberen Atemwege mit ddMRI am 0,55-T-System stellt eine vielversprechende, strahlenfreie Ergänzung zu etablierten bildgebenden Verfahren in der Schlafmedizin dar. Das ddMRI erlaubt eine detaillierte, funktionell orientierte Beurteilung des pharyngealen Atemwegs und schafft die Grundlage für zukünftige Studien zu therapieinduzierter Atemwegsveränderung, zur Therapieplanung (z.B. Unterkieferprotrusionsschiene, operative Verfahren) und zu personalisierten Behandlungspfaden bei OSA.



