Jahrestagung der Vereinigung Westdeutscher Hals-Nasen-Ohren-Ärzte 2026
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Rapide fortschreitende Destruktion des Mittelgesichts durch Drogenkonsum-induzierte Vaskulitis
Text
Einleitung: Kokain-induzierte Vaskulitiden sind eine seltene Differentialdiagnose progredienter lokal destruierender Prozesse im Kopf-Hals-Bereich. Männer sind häufiger betroffen.
Methoden: Ein 26-jähriger Patient stellte sich initial mit ausgeprägten Schmerzen im Bereich der Nase sowie des Halses vor, eine Dyspnoe bestand nicht. Eine Septumperforation sei seit 2023 bekannt und sei progredient. Bei der Erstuntersuchung zeigte sich eine 3x2 cm große Septumperforation, eine beginnende Destruktion der unteren Nasenmuscheln mit Rötung sowie ödematöser Veränderung der Schleimhaut des Hypopharynx und Larynx. Es erfolgte eine rheumatologische Testung sowie Probenentnahmen in lokaler Betäubung, ebenso eine CT-Schädel Hals mit KM, MRT-Schädel Hals mit KM und ein PET-CT. Es wurde eine serologische sowie mikrobiologische Testung durchgeführt. Ein intranasaler Substanzabusus wurde mehrfach anamnestisch verneint. Bei weiterem klinischem Progress der Septumperforation mit nun auch Destruktion des Weichgaumens, der Oberlippe, des Hypopharynx, der Supraglottis sowie den Nasennebenhöhlen erfolgte eine weitere Probenentnahme in Intubationsnarkose. Als weiterhin keine autoimmune oder neoplastische Genese nachgewiesen wurde, erfolgte ein toxikologisches Screening mittels Urinprobe.
Ergebnisse: Alle Schleimhäute zeigten eine partiell ulzeröse und partiell nekrotisierende, floride und chronische Entzündung. Es zeigte sich auch eine Knochendestruktion. Eine Granulomatose mit Polyangiitis (GPA) konnte laborchemisch und histologisch nicht nachgewiesen werden. Serologisch und mirkobiologisch zeigten sich keine wegweisenden Befunde. Pathologisch ergab sich in beiden Probenentnahmen kein Anhalt für Vaskulitis oder Malignität. Im Urintest konnte ein Kokainabusus nachgewiesen werden, welcher nach ausführlichen Gesprächen vom Patienten zugegeben wurde. Unter oraler Kortisontherapie, einer intensiven Schleimhautpflege mittels Nasenduschen sowie anamnestischer Noxenkarenz gab der Patient eine Beschwerdereduktion an, zudem zeigte sich der Befund am Larynx und Weichgaumen regredient.
Diskussion: Bei destruktiven Prozessen im Mittelgesicht ist ein Malignom (epitheliale Tumoren, nasale NK/T-Zell-Lymphome), eine entzündliche Systemerkrankung (GPA, IgG4-assoziierten Erkrankung) oder Infektion (Mykobakterien, Lues, Pilzinfektionen) differentialdiagnostisch in Betracht zu ziehen. Aufgrund steigender Prävalenz von Freizeit-Drogenkonsum ist auch die Kokain-induzierte Vaskulitis ein Krankheitsbild mit steigender Relevanz. Hierbei verursachen das Kokain selbst sowie die häufig genutzte Strecksubstanz Levamisol eine GPA-ähnliche autoimmune Vaskulitis. Einzig kausale Therapie ist die Karenz des Drogenkonsums, weshalb ein frühzeitiger Nachweis angestrebt werden sollte.



