Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Gender-Effekt auf den Verlauf der chronischen Hepatitis B-Virusinfektion: Männliches Geschlecht als ungünstiger prognostischer Faktor
Text
Hintergrund und Ziel: Weltweit fordern Komplikationen der chronischen Hepatitis B Virus (HBV-) infektion >1 Mio Todesopfer pro Jahr. Eine kurative Therapie fehlt bislang. Nucleos(t)id-Analoga supprimieren effektiv die Viruslast und sind als Langzeit-Therapie nur bei Patienten mit erhöhtem Progressionsrisiko der Lebererkrankung (HBV-DNA >2000 IU/ml, erhöhte Transaminasen) indiziert. Daten aus einer asiatischen Beobachtungsstudie wiesen darauf hin, dass bei Männern ein erhöhtes Risiko für den Progress einer Lebererkrankung besteht. Ob sich hieraus auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Therapieindikation ergeben ist bislang nicht untersucht, ebenso sind sowie die pathophysiologischen Hintergründe unklar.
Methode: 450 Patienten mit einer chronischen, therapienaiven HBV-Infektion wurden retrospektiv über minimal 5 und maximal 10 Jahre beobachtet. Primärer Endpunkt war der Beginn einer antiviralen Therapie. In einer Subgruppe wurde die HBV-spezifische CD8+ T Zell Antwort durchflusszytometrisch untersucht.
Ergebnis: Der primäre Endpunkt wurde bei insgesamt 220 (48,9%) Patienten, davon 85 Frauen (Therapiebeginn nach 3,6 Monaten [Median]) und 135 Männern (Therapiebeginn nach 4,1 Monaten [Median], p=0,797), erreicht. Das männliche Geschlecht war signifikant (Männer n=135/56,7%; Frauen n=85/40,6%; p=0,0004) mit dem Beginn einer antiviralen Therapie assoziiert. Männer wiesen ein erhöhtes Risikoprofil auf, mit signifikant höherer Viruslast zur Baseline (Viruslast Männer: 6622 (4 724 277) vs Frauen: 3723 (54 800) IU/ml [Median (IQR)], p=0,0030), während eine erhöhte ALT nicht signifikant mit einem Geschlecht assoziiert war (Männer: n=107, Frauen: n=87; p= 0,1389). Die immunologischen Analysen zeigten einen "dysfunktionaleren" Phänotyp der HBV-spezifischen CD8+ T Zellen bei Männern, der mit der erhöhten Viruslast korrelierte.
Zusammenfassung: Das männliche Geschlecht ist mit einem ungünstigen klinischen Verlauf der chronischen HBV-Infektion assoziiert. Dies wird von einer erhöhten Viruslast bei Männern und damit korrelierender Dysfunktion der HBV-spezifischen CD8+ T Zellen begünstigt und führt dazu, dass Männer häufiger eine antivirale Therapie benötigen. Dieser Gender-Effekt sollte bei der Betreuung von Patienten mit chronischer HBV-Infektion, z.B. bei der Festlegung von Intervallen zur HCC-Surveillance, berücksichtigt werden.



