Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
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Therapeutische Cholangioskopie – neue Instrumente, neue Möglichkeiten
Text
Hintergrund und Ziel: Die perorale Cholangioskopie hat sich als wertvolle Methode in der Differenzialdiagnose von Gallenwegserkrankungen etabliert. Neues Zubehör, das über den Arbeitskanal des Cholangioskops eingesetzt werden kann, ermöglicht zunehmend therapeutische Optionen, die über die cholangioskopisch gesteuerte Lithotripsie hinausgehen. Ziel dieser Arbeit ist es, anhand zweier Fälle die erweiterten Möglichkeiten der therapeutischen Cholangioskopie zu demonstrieren.
Methode: Es werden 2 Fälle aus dem eigenen Patientengut vorgestellt, in denen cholangioskopische Instrumente, unter anderem ein über das Cholangioskop geführtes Retrieval‑Körbchen, zur minimal‑invasiven Behandlung komplexer Gallengangsveränderungen eingesetzt wurden.
Ergebnis: Bei einem 63‑jährigen Mann zeigte die MRCP eine isolierte Stenose des rechtsposterioren Gallengangs. Wiederholte ERCP‑Untersuchungen erbrachten mittels Bürstenzytologie und fluoroskopisch gesteuerter Biopsien keinen Nachweis dysplastischer oder maligner Zellen. Auch cholangioskopische Biopsien aus der Stenose zeigten lediglich eine floride Entzündung, sodass aufgrund eines prolongierten Intensivaufenthalts zunächst eine sekundär sklerosierende Cholangitis vermutet wurde. In einer nachfolgenden Cholangioskopie gelang über einen cholangioskopisch platzierten Führungsdraht eine Ballondilatation der Stenose, sodass das Cholangioskop die Engstelle passieren konnte. Unmittelbar proximal fand sich ein Ausgußstein in einem rechtwinklig abgehenden kleinen Subsegmentgallengang. Über ein durch das Cholangioskop geführtes feinmaschiges Retrieval‑Körbchen konnte das Konkrement sicher gefasst und über die Stenose extrahiert werden. Anschließend wurde ein Stent eingelegt. In der cholangioskopischen Kontrolle drei Monate später zeigte sich nur noch eine milde Entzündung bei nahezu kompletter Rückbildung der Stenose. Bei einer 61‑jährigen Frau ergab sich endosonographisch und in der ERCP der Verdacht auf einen Gallengangspolypen. Mittels peroraler Cholangioskopie konnte die Läsion unter direkter Sicht mit einer Biopsiezange abgetragen werden. Histologisch zeigte sich ein Granulationspolyp.
Zusammenfassung: Beide Fälle verdeutlichen, dass die perorale Cholangioskopie auch therapeutisch an Bedeutung gewinnt. Die Verfügbarkeit neuer Instrumente und Zubehörsysteme – wie des cholangioskopisch geführten Retrieval‑Körbchen – eröffnet zusätzliche Behandlungsmöglichkeiten. Zukünftige Studien sollten die Machbarkeit, Effektivität und Sicherheit dieser innovativen Verfahren systematisch evaluieren.



