Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
Die Pankreasfistel nach distaler Pankreatektomie – Komplikationen einfach wegspülen?
Text
Hintergrund und Ziel: Die Pankreaschirurgie ist trotz mannigfaltiger chirurgischer und klinischer Fortschritte mit einer hohen Komplikationsrate assoziiert. Insbesondere der postoperativen Pankreasfistel (POPF) kommt eine große Bedeutung zu, da es in ihrer Folge zu intraabdominellen Flüssigkeitsverhalten oder potentiell lebensbedrohlichen Arrosionsblutungen kommen kann. Die Fistelrate ist insbesondere nach distalen Pankreatektomien (DP) hoch. Die vorliegende Studie prüft nun, ob sich das Auftreten von schweren Komplikationen nach DP durch eine prophylaktische, postoperative Irrigation des Bauchraums über einliegende Drainagen reduzieren lässt.
Methode: Es wurde eine retrospektive Auswertung von 72 Patienten durchgeführt, die zwischen 01.01.2017 und 31.12.2025 am St. Josef-Hospital, Klinikum der Ruhr-Universität Bochum, einer DP unterzogen wurden und bei denen eine POPF laborchemisch nachgewiesen wurde. Demographische, chirurgische und Outcome-Daten wurden statistisch evaluiert.
Ergebnis: Es wurden 28 Patienten einer prophylaktischen Spülung und 44 Patienten einer Irrigation „on demand“ unterzogen. Die Häufigkeit von Multiviszeralresektionen war in der „Prophylaxe“-Gruppe höher (10,7% vs. 6,8%, p=0,372). In der Prophylaxe-Gruppe wurden weniger intraabdominelle Verhalte (35,7% vs. 43,2%, p=0,532) und Arrosionsblutungen (3,6% vs. 6,8%, p=0,560) registriert. Weiterhin kam es zu weniger Re-Operationen (3,6% vs. 6,8%, p=0,560), Re-Aufnahmen in die Klinik (28,6% vs. 59.1%, p=0,012) und auf die Intensivstation (3,6% vs. 11,4%, p=0,247).
Zusammenfassung: Es zeigte sich, dass eine prophylaktische Irrigation nach DP mit einer Reduktion relevanter klinischer Komplikationen einhergehen könnte. Eine signifikante Differenz zeigte sich bei der der Reduktion der Re-Hospitalisierungen. Die Rate intraabdomineller Verhalte, Arrosionsblutungen, Re-Operationen und erneuter intensivmedizinischer Verlegungen war ebenfalls geringer, wies jedoch keinen statistisch signifikanten Unterschied auf. Somit deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die prophylaktische Spülung ein Ansatz zur Reduktion der Morbidität nach DP sein könnte. Die begrenzten Fallzahlen und das retrospektive Design schränken die Aussagekraft jedoch ein. Zukünftige, prospektive Untersuchungen könnten diesbezüglich Abhilfe schaffen und dazu beitragen, das komplikationsträchtige Feld der Pankreaschirurgie sicherer zu gestalten.



