Viszeralmedizin NRW 2026. 192. Jahrestagung der Niederrheinisch-Westfälischen Gesellschaft für Chirurgie, 34. Jahrestagung der Gesellschaft für Gastroenterologie
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Akute Cholezystitis bei hämatologischen Malignomen oder Chemotherapie-induzierter Leukopenie
Text
Hintergrund und Ziel: Die akute Cholezystitis ist eine der häufigsten Ursachen für stationäre Aufnahmen in der Viszeralchirurgie. Während Leitlinien die frühzeitige operative Therapie empfehlen, kann für Patient*innen mit erhöhtem Operationsrisiko eine konservative Behandlung erwogen werden. Bei Patient*innen mit hämatologischen Neoplasien stellt sich aufgrund der erhöhten Vulnerabilität die Frage, ob die Vorteile einer Operation durch das perioperative Risikorelativiert werden und ob das Risiko möglicherweise durch eine präoperativ bestehende Leukopenie beeinflusst wird. Ziel dieser Studie war es daher, die Verläufe und Behandlungsergebnisse dieser Patientengruppe zu analysieren und mit einer Kontrollkohorte ohne hämatoonkologische Grunderkrankungen zu vergleichen.
Methode: Es wurde eine retrospektive Fall-Kontroll-Studie durchgeführt. Eingeschlossen wurden Patient*innen mithämatologischen Malignomen oder chemotherapie-assoziierter Leukopenie, die zwischen 2007 und 2023 wegen einer akuten Cholezystitis behandelt wurden. Eine Subgruppenanalyse erfolgte für Patient*innen mit präoperativer Leukopenie. Als Kontrollgruppe dienten vergleichbare Patient*innen ohne hämatoonkologische Grunderkrankung oder Leukopenie, die im Zeitraum zwischen 2007 und 2024 hospitalisiert wurden. Auftretende Komplikationen wurden gemäß Clavien-Dindo-Klassifikationerfasst.
Ergebnis: Es wurden 33 Patient*innen mit hämatologischen Malignomen eingeschlossen (mittleres Alter 56,0 Jahre; 58% weiblich). Die häufigste Erkrankung war die akute myeloische Leukämie (n=13). Eine manifeste Leukopenie lag bei 14 Patient*innen vor. Inder Gruppe der Patient*innen mit präoperativ bestehender Leukopenie gab es 5 Komplikationen, während es in der Gruppe der Patient*innen ohne präoperative Leukopenie zu 6 Komplikationen kam (p= 0,803). Die Vergleichsgruppe umfasste ebenfalls 33 Patient*innen (mittleres Alter 56,8; 58% weiblich). In der Gruppe der vorerkrankten Patient*innen gab es insgesamt 11 Komplikationen, gegenüber 4 in der Kontrollgruppe (p = 0,040). Insgesamt sind 2 Patient*innen als Folge der Operation verstorben (6%, 2 aus der vorerkrankten Gruppe, 0 aus der Kontrollgruppe, p = 0,208).
Zusammenfassung: Die Studienergebnisse zeigen, dass Patient*innen mit hämatologischer Neoplasie signifikant häufiger postoperative Komplikationen erlitten, innerhalb dieser Gruppe konnte jedoch kein signifikanter Zusammenhang zwischen präoperativer Leukopenie und der postoperativen Komplikationsrate festgestellt werden.



